"Copy me!" ist die Aufforderung von David Miller. Auf deutsch heißt das "Verfielfältige mich!", und genau das verfolgt der Autor. Seine Dokumentation "In Guantanamo" sollen so viele Menschen wie möglich sehen. Er will auf die Zustände im US-amerikanischen Gefangenenlager auf Kuba aufmerksam machen und zeigen, wie sehr die Berichterstattung vom amerikanischen Militär gesteuert wird.
Im Mai 2008 fährt David Miller mit seinem Team für drei Tage nach Guantanamo. Gemeinsam mit weiteren Journalisten darf er sich auf dem Gelände umsehen. Doch wie er feststellt, ist eine kritische Berichterstattung unmöglich – das amerikanische Militär macht die Veranstaltung zu einem PR-Event.
Guantanamo wird als anständiges Gefängnis präsentiert, in dem der Schutz der Insassen höchste Priorität besitzt. Die Verhörräume sind mit Kühlschränken und Fernseher ausgestattet. Ein Pfeil nach Mekka in jeder Gefängniszelle nimmt Rücksicht auf die Religion der Häftlinge. Die Insassen können sich mit verschiedenen Freizeitmöglichkeiten, wie Fußball, Tischtennis oder Basketball, die Zeit vertreiben. Doch trotz dieser vorbildlichen Haftbedingungen sehen sich die Wärter der Gefahr ausgesetzt, dass aus flexiblen Kugelschreibern, Salz und 15 Blatt Toilettenpapier Stichwaffen gebastelt werden.
Die Berichterstattung wird sorgfältig gesteuert. Die Zensur der Aufnahmen wird fast in jeder Szene deutlich. Überall stehen Schilder, die auf das Aufnahmeverbot aufmerksam machen. Soldaten achten streng auf deren Einhaltung. Menschen, deren Gesichter nicht gefilmt werden dürfen, sind häufig zu sehen. Als ein Journalist versehentlich Überwachungskameras filmt, die er nicht gesehen hat, muss er alle seine Aufnahmen zeigen und die Szenen löschen. Sorgfältig kontrolliert präsentiert das Militär die saubere Seite des Gefängnisses.
Auf dem Videoportal Vodo steht die 22-minütige, englischsprachige Dokumentation hier zum Herunterladen oder als Video auf Abruf bereit.
Autor: Tanja Beeskow
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