Folgen Sie HÖRZU auf

Follow HOERZUnews on Twitter
Olympia 2010
Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Vancouver (ZDF, 2.00 Uhr)

Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Vancouver (ZDF, 2.00 Uhr), Foto © Getty Images North America jm

Drei Milliarden Menschen verfolgen Abschlussfeier

Deutsche Athleten mit toller Bilanz

  • Artikel vom 28. Februar 2010

Im BC Place Stadium von Vancouver, der Heimstatt der Canadian-Football-Mannschaft British Columbia Lions, findet heute die Schlussfeier der XXI. Olympischen Winterspiele (2.30 Uhr) statt. Weltweit werden, wie schon bei der Eröffnungszeremonie, etwa drei Milliarden TV-Zuschauer das Spektakel aus dem überdachten Stadion am Nordufer des False Creek verfolgen. In vier Jahren wird die russische Stadt Sotschi (7. – 23. Februar) am Schwarzen Meer Gastgeberin sein – der erste subtropischen Ort, der Olympische Winterspiele veranstaltet.

Die Bilanz der deutschen Sportler kann sich sehen lassen: 10 Gold, 12 Silber, 7 Bronze (nach 84 von 86 Wettbewerben). Deutschland (128 / 128 / 101) hat Russland (123 / 92 / 93) als Spitzenreiter im Ewigen Medaillenspiegel abgelöst. Mit zwei Goldmedaillen und einmal Silber war die Biathletin Magdalena Neuner unsere erfolgreichste Olympionikin. Am meisten Edelmetall räumte die norwegische Langläuferin Marit Björgen ab: drei Goldmediallen, einmal Silber, einmal Bronze. Auch ARD und ZDF können sich als Sieger fühlen: Sie erreichten mit ihren Übertragungen einen durchschnittlichen Marktanteil von knapp 20 Prozent. Das entspricht dem Niveau von Turin. Den Top-Wert erreichte die ARD am letzten Sonntag beim zweiten Sieg von Magdalena Neuner: Ihr drückten 9,75 Millionen Biathlonfans die Daumen. Das entsprach einem Marktanteil von 31,5 Prozent.

Überschattet wurden die Spiele vom Tod des 21-jährigen georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili, der mit 144,3 km/h. auf der Eisbahn des Whistler Sliding Centre in den Tod raste. Doch auch weniger tragische Ereignisse bleiben im Gedächtnis des Chronisten haften.
∎ Der wohl unglücklichste Athlet der Spiele war der niederländische Eisflitzer Sven Kramer. Er hatte zwar das Rennen über 10000 Meter gewonnen, war aber von seinem Trainer Gerard Kemkers zuvor fehlgeleitet worden – und wurde disqualifiziert. Anschließend verlor "Sven the Man" nicht nur seine zweite Goldmedaille, sondern auch seine Manieren.

∎ Dabei sein, ist alles: Die iranische Skiläuferin Marjan Kalhor empfand schon den Start beim Riesenslalom als Sieg. Die 21-Jährige war die erste iranische Teilnehmerin an Olympischen Winterspielen. Bis zuletzt hatte ein Mullah gegen ihre Teilnahme gewettert. Ihn erinnere der alpine Skisport "zu sehr an Tanzen". Was den Geistlichen im Nachhinein beruhigt haben mag: Seine Landsfrau trug unter ihrem Helm deutlich sichtbar ein rosarotes Kopftuch.

∎ Der deutsche Rennrodler David Möller biss sich an seiner Silbermedaille, die er im Einsitzer gewonnen hatte, buchstäblich die Zähne aus. Bei der "netten Geste für die Fotografen" aus aller Welt löste sich eine Ecke aus einem Schneidezahn.

Kwame Nkrumah-Acheampong, ein ghanaischer Pisten-Exot, hatte sich im Vorfeld von Olympia als Schneeleopard einen Namen gemacht. So wirksam und modisch-verrückt seine Auftritte in den Medien auch waren, die Skipiste von Whistler Creekside mied er, wie der Teufel das Weihwasser. Kleinlaut musste der Olympiatourist aus Westafrika zugeben, dass er die Qualifikationsbedingungen für den Riesenslalom nicht erfüllen könne.

∎ "Skiprinz" Hubertus von Hohenlohe war mit 51 Jahren zwar der älteste Teilnehmer an den alpinen Wettbewerben in Whistler, aber im Riesenslalom mitnichten der langsamste. Der für Mexiko startende Sohn von Ira von Fürstenberg und Alfonso von Hohenlohe-Langenburg wurde 78ster. Die Rote Laterne konnte sich der Inder Namgial sichern.

∎ Mit ihren guten Leistungen könnten die kanadischen und nordamerikanischen Eishockeydamen das vorläufige Ende des Fraueneishockeys als olympische Disziplin besiegelt haben. IOC-Präsident Jacques Rogge beanstandete jedenfalls den gewaltigen Leistungsunterschied der beiden Teams zum Rest der Welt: "So kann das nicht weitergehen".

Am letzten Tag fallen im Whistler Olympic Park und im Canada Hockey Place noch zwei Entscheidungen. Nach dem Silber durch Axel Teichmann und Tim Tscharnke im Teamsprint könnten zum Abschluss ihre Mannschaftskollegen Jens Filbrich und Tobias Angerer für eine Medaille gut sein. Im 50 Kilometer Massenstart (klassisch) wollen sie jedenfalls bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden. Gestartet wird um 18.30 Uhr.

Zum Abschluss der XXI. Olympischen Winterspiele kommt es im Eishockey zum Traumfinale: Gastgeber Kanada trifft um 21.15 Uhr auf die USA. Nach der ersten olympischen Schlappe gegen den Erzrivalen seit 50 Jahren in der Gruppenphase, können die Superstars um Sidney Crosby heute im Canada Hockey Place von Vancouver Revanche nehmen und die heiß ersehnte Goldmedaille gewinnen. Es ist die Neuauflage des Finales von 2002 in Salt Lake City. Damals gewann Kanada mit 5:2. Nun könnte es im eigenen Land wieder mit dem Olympiasieg klappen. Die kanadischen Frauen haben bereits vorgemacht, wie es geht. Zwei Goldmedaillen im Eishockey vor heimischer Kulisse – ein kanadischer Traum ginge in Erfüllung.

Autor: Erwin Leimann

Anzeige