Sänger Tommy Reeve
Tommy Reeve heißt eigentlich Thomas Vogt und kommt aus München. Alles andere an ihm ist aber ganz furchtbar echt, zumindest bemüht er sich, dieses Bild zu vermitteln: "Ready For You", so seine Plattenfirma Universal, sei "ein absolut ehrliches Album, auf dem Tommy mit seiner Stimme seinen innersten Gefühlen Ausdruck verleiht". Man möchte gerne annehmen, dass das nicht wahr ist. Denn so eindimensional wie seine Platte kann Reeves Seelenleben gar nicht sein. Auf "Ready For You" geht es um die Liebe. Ausschließlich. Immer wieder. Zu oft.
Da verwundert es kaum, dass SAT.1 für die musikalische Untermalung der Herzschmerz-Sendung "Nur die Liebe zählt" Reeves Version von "Come Into My Life" (Original von Joyce Sims) ausgewählt hat. Die ist auch Albumopener und Single - ein Cover in derart prominenter Position? Das beweist durchaus ein bisschen Mut. Und stellt zugleich die einzige Kante dar, die sich an seiner Platte finden lässt. Der Rest ist so erbarmungslos glatt, dass er fast widerstandslos an den Ohren vorbeirauscht.
"Love Love Love" ist dabei noch ein wenig charmant; harmloser, aber sonniger Sommerpop. Mit den beiden Coversongs des Albums - dem bereits erwähnten "Come Into My Life" und "Cry To Me" (Original von Solomon Burke) - zeigt Reeve, dass er durchaus eigene Vorstellungen hat, wenn er auch von radikalen Neuinterpretationen weit entfernt bleibt. Der Großteil seiner eigenen Lieder kann dagegen nicht überzeugen: Während "Crying" zum Beispiel liefert Reeve mit butterweicher Kopfstimme ein glänzendes Argument, warum Deutsche einfach nicht auf Englisch texten sollten ("I've been crying over you / I've been trying to find another you"). Nicht viel besser läuft es in "You": "'Cause loving someone like you / never ever felt so true", trieft es aus den Boxen.
Was für die Texte gilt, ist für die Melodien nicht weniger wahr: Es schnulzt und schmalzt allerorten in kuschelweichen Arrangements. Wenn man, wie etwa bei "Shoes", beim Einstieg noch aufhorcht und Hoffnungen auf ein Lied mit echtem Pulsschlag hegt, wird man spätestens im Refrain enttäuscht. Trotzdem kann es gut sein, dass Tommy Reeve auch für sein zweites Album ein Publikum finden wird: Der Mann sieht gut aus, und er singt von der Liebe. Und die ist ja schließlich das Einzige, was zählt.
Autor: teleschau / Sabine Metzger
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