Der Starpianist Lang Lang - Foto © PR
Ihre Lieblingsstücke von Lang Lang
Perlen der Musikgeschichte, vorgetragen von einer Jahrhundertbegabung: Nach unserem Aufruf in Ausgabe 29/2010 haben HÖRZU-Leser eine exquisite Mischung zusammengestellt. Auf einer Doppel-CD (erhältlich ab 19.8. für 16,95 Euro im Handel oder per Tel. 040/55 98 96 45) spielt Lang Lang Favoriten von Chopin bis Tschaikowsky. Auch zwei Stücke, die seinen Werdegang prägten, sind mit dabei: die "Ungarische Rhapsodie No. 2" von Franz Liszt, die einst seine Liebe zur Musik weckte, sowie Peter Tschaikowskys "Klavierkonzert 1", mit dem ihm als 17-Jähriger der Durchbruch gelang.
Den Auftakt macht Mozarts "Klaviersonate No. 10". Lang Lang war dieser Einstieg wichtig: Als Kind, das von Wettbewerb zu Wettbewerb geschickt wurde, fragte er seinen ehrgeizigen Vater: "Wer ist die Nummer eins unter allen Komponisten?" – "Mozart", antwortete dieser. Das hat der Sohn, der ebenfalls die Nummer eins sein wollte, nie vergessen. Mozart gehört bis heute zu seinen Lieblingskomponisten. Auf der CD der HÖRZU-Edition sind nun große Namen der europäischen Klassik versammelt: Frédéric Chopin, Franz Liszt, Peter Tschaikowsky und Sergei Rachmaninov, Robert Schumanns berühmte "Kinderszenen" und Beethovens "Klavierkonzert No. 4".
Auf der Bonus-CD interpretiert Lang Lang ganz unorthodox Musik, die ihm gefällt. Zeitgenössische Komponisten aus seiner chinesischen Heimat sind darunter und ein Popmusiker wie Mike Oldfield mit "Music of the Spheres". Zudem Alexandre Desplat mit der Titelmelodie des Films "The Painted Veil" ("Der bunte Schleier"). Wenn einer die Grenzen der klassischen Musik verschieben darf, dann Lang Lang, der junge Megastar aus China, dem heute die ganze Welt zuhört.
Ein Klavier ist ein Spielzeug, mit dem man Spaß haben kann. Das lernte der kleine Lang Lang aus Schenyang beiläufig aus einer Comicsendung im Fernsehen: "Tom und Jerry" hüpften da über die Tasten eines Pianos. Die kleine Maus jagte den Kater, sprang auf Tasten, Saiten und Hämmerchen herum, brachte ihn dazu, immer schneller zu spielen. Ein Schlüsselerlebnis. Erst viel später wird Lang Lang erfahren, dass "Tom und Jerry" die "Ungarische Rhapsodie No. 2" von Franz Liszt spielten. Und weitere Jahre wird es dauern, bis er diesen überschäumenden Spaß am Klavier für sich wiederentdeckt.
Heute, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, reist der 28-Jährige mit der Botschaft seiner Kindheit durch die Konzertsäle der Welt: Musik weckt Lebensfreude, eröffnet neue Horizonte! Als Kind durchlebt er den Drill eines gnadenlosen Trainings, beschrieben in seiner Autobiografie "Musik ist meine Sprache" (Ullstein Verlag). Vom Vater angetrieben, von der Mutter mit Papiersternchen belohnt, sitzt schon der Vierjährige bis zu sechs Stunden am Klavier. Mit neun Jahren beginnt er ein Klavierstudium in Peking, lebt mit seinem Vater in einer winzigen, ärmlichen Wohnung. Traumatisches Erlebnis: Als ein Klavierlehrer Lang Lang als Schüler ablehnt, beschimpft der Vater ihn als nutzlosen Sohn, der sich besser gleich aus dem Fenster stürzen könne.
Lang Lang sucht Trost beim Klavierspiel. In China gewinnt er Wettbewerb um Wettbewerb, zieht 1997 in die USA. Dort feiert er 1999 seinen Durchbruch: Der gerade 17-Jährige springt für einen erkrankten Kollegen ein, präsentiert mit den Chicagoer Symphonikern ein triumphales "Klavierkonzert No. 1" von Tschaikowsky. Heute hat er 30 Konzerte im Repertoire, spielt 20 von ihnen auswendig, jettet um den Globus. Allein im September 2010 gastiert er in Italien, Österreich, den USA und Kanada, tourt dann durch China, kommt Ende Oktober nach Deutschland.
Das Wichtigste: Er sieht seine Kunst zunehmend entspannter, genießt auch freie Zeit. Dann geht er in seiner Wahlheimat New York in Discos oder verschickt Kurzmeldungen über Twitter. Musik macht Spaß! Diese Botschaft möchte er in seinen Stiftungen und Musikschulen auch den Kindern vermitteln. "Musik kann dein Leben verändern. Sie gibt dir Energie", sagt er. Auf der Internet-Plattform YouTube zeigt ein Video einen seiner typischen Späße: die Zugabe zu seinem Auftritt in San Francisco im April 2010, wo er den berühmten "Hummelflug" von Rimski-Korsakowvortrug – auf einem iPad!
Autor: Angela Meyer-Barg
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