Die großen drei (v. l.): Plácido Domingo, José Carreras, Luciano Pavarotti (2007 verstorben). - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH
Was war die größte Sensation der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien? Überraschende Antwort: das Wunder von Rom. Und zwar das musikalische. Obwohl Deutschland in Rom Weltmeister wurde, behaupten noch heute selbst eingeschworene Fußballfans von damals, der Höhepunkt des Turniers sei die Nacht der Tenöre am 7. Juli 1990 gewesen. Am Vorabend des Endspiels waren Luciano Pavarotti, José Carreras und Plácido Domingo in den antiken Caracalla-Thermen von Rom aufgetreten – eine Weltpremiere! Das erste gemeinsame Konzert von drei Königen des Gesangs, live vor 6000 Zuhörern, die das Glück gehabt hatten, eine der begehrten Karten zu ergattern. Und natürlich vor einem Millionen-Fernsehpublikum.
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Erstmals erscheint das vollständige Audio- und Videomaterial vom 7. Juli 1990 in der limitierten Sammler-Edition "Die Drei Tenöre – 20 Jahre". Sie enthält die CD "Live in Rom 1990" sowie den Konzertfilm und die Doku "The Impossible Dream" über die Entstehung des unmöglich erscheinenden Projekts auf DVD. Zudem: viele Interviews und Extras.
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Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum erscheint nun das komplette Audio- und Videomaterial dieser magischen Nacht als limitierte Sammler-Edition auf einer CD und einer DVD. Auf Letzterer ist deutlich zu sehen und vor allem zu hören, was die drei Weltmeister der Emotion so einzigartig macht: nicht etwa der Kampf um das hohe C oder das Kräftemessen von Koryphäen, sondern die immense Kameradschaft von drei wahrlich Großen. Und natürlich ein dramaturgisch spannungsreich aufgebautes Konzert, das bis heute Maßstäbe setzt.
Zuerst traten die drei Megastars der Opernwelt in alphabetischer Reihenfolge auf – ein meisterlicher Schutz gegen Konkurrenzdenken. Alle drei brillierten mit den schönsten Melodien – von Franz Lehár über Giacomo Puccini bis zu Umberto Giordano. Anschließend sang Luciano Pavarotti das "Nessun dorma" aus "Turandot", das bis heute als "seine Arie" gilt. Nicht nur der frühere US-Außenminister Henry Kissinger schmolz am Ende im Publikum dahin, als es zur Krönung des Konzerts ein gemeinsames Potpourri alter und neuer Melodien gab, zusammengestellt aus Klassikern der Oper, des Chansons und des Musicals: "O sole mio", "La vie en rose" und "Maria" aus der "West Side Story". Es folgten fast 30 Minuten lang Zugaben.
Plácido Domingo verrät, das er noch heute häufig auf diese unvergessliche Nacht der "Drei Tenöre" angesprochen wird. "Neulich habe ich eine Frau am Flughafen in London getroffen, die mich erkannt hat. Sie sagte zu mir: 'Herr Domingo, grüßen Sie Herrn Carreras von mir – und Frau Callas.' Da habe ich erst gestutzt und dann gelacht. Im Flugzeug habe ich gedacht: Es ist schon toll, daß unsere Stimmen bereits derart unsterblich sind." José Carreras sieht sich und seine zwei Kollegen – Luciano Pavarotti starb im Jahr 2007 – als Bewahrer einer großen Tradition. Wichtig ist dabei ihr Repertoire: "80 Prozent sind Lieder, die Caruso oder Di Stefano schon gesungen haben. Wir haben ihr Vermächtnis weitergetragen. Wenn man vor einem neuen Publikum singt mit einem tollen Orchester, ist es egal, wie oft man 'O sole mio' schon gesungen hat. Oder sogar "My Way'."
Dass ihr erstes Konzert als "Wunder von Rom" in die Musikgeschichte eingehen würde, hatte keiner erwartet. Domingo: "Nein! Beim ersten Auftritt in den Caracalla-Thermen ahnte keiner, dass sich der Mitschnitt des Konzerts mehr als zehn Millionen Mal verkaufen würde. Unseren Auftritt 1994 in Los Angeles haben dann 1,5 Milliarden Menschen am Fernseher verfolgt. Puristen warfen uns Prostitution vor, aber diese Konzerte haben die Oper populär gemacht – bei den Massen." Auf die spektakuläre Geburtsstunde in Rom folgten Auftritte der "Drei Tenöre" etwa in Los Angeles, Paris und Yokohama. Doch diese erste Nacht, in der die Oper die Welt vereinte und die Klassik in die Herzen der Menschen zurückbrachte, ist einmalig. Magisch. Unvergessen.
Autor: Mike Powelz
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