Kino
Pilgerreise Hape Kerkeling

Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" ist ein Bestseller. Nun kommt seine Pilgerreise
auf dem Jakobsweg ins Kino. HÖRZU war am Set.- Foto © picture alliance / Geisler-Fotopress

Exklusiv

Am Set von "Ich bin dann mal weg"

  • Artikel vom 13. November 2014

Das Ende der Schlange ist nicht abzusehen. In der schmalen, dunklenGasse, die hügelabwärts durch die Jahrhunderte alte Stadt Santiago de Compostela führt, herrscht irritierendes Gedränge: Rucksackträger, Fahrradfahrer, junge Menschen in knalligen Hosen, Ältere in praktischen Anoraks. Und kaum ein Zentimeter Raum zwischen ihnen. Allen steht die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben, alle haben das gleiche Ziel: das Stempelbüro unterhalb des Doms, wo man die begehrte "Compostela" bekommt, den Beglaubigungsschein, der attestiert: Sie haben den Jakobsweg bewältigt!

Seit dem Mittelalter pilgern die Menschen zum Grab des Apostels Jakobus im Dom der Stadt. Früher zu Fuß oder zu Pferd, heute sind auch Fahrräder erlaubt.
Der bunt gemischte Haufen vorm Büro wirkt, als sei er direkt für die Verfilmung von Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" gecastet worden. In ihm beschreibt der Entertainer seinen eher zufälligen Selbstfindungstrip, als er nach Hörsturz, Gallenblasen-OP und eingebildetem Herzinfarkt eine Auszeit nimmt und sich auf den Jakobsweg begibt.

Ich bin dann mal weg

Was ihm, dem unterminierten Wohlstandsbürger, auf den beschwerlichen 791 Kilometern von Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen bis zum Ziel im spanischen Santiago de Compostela widerfuhr, erzählte er so uneitel und humorvoll, dass das Tagebuch 2006 zum Bestseller wurde. "Ich bin dannmal weg" verkaufte sich bislang vier Millionen Mal! Nebenbei hat es den Jakobsweg zum populären Ziel für Selbstverwirklicher aller Art gemacht. Eine Steilvorlage, die den Ehrgeiz der Filmemacher herausfordert. Die Produzenten Nico Hofmann, SebastianWerninger (Ufa) und Hermann Florin (Feine Filme) sowie als Co-Produzent der Filmverleih Warner Brothers teilen sich die Aufgabe, das Hape-Buch auch zum Leinwandhit zu machen. Kinostart ist 2015, die TV-Ausstrahlung später.

Regisseurin Julia von Heinz

Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen, in denen Kerkeling darauf bestand, auch bei der Wahl der Hauptdarsteller mitzureden. Für Regisseurin Julia von Heinz kein Problem. Platz für künstlerische Freiheiten blieb genug, etwa bei den anderen Charakteren. Viel aufregender sei es, nun hinzukriegen, "dass sich Hapes Blick auf die Welt – leicht, aber nicht oberflächlich, analytisch und durchschauend, dabei immer liebevoll – auch im Film widerspiegelt."

Alles absolut authentisch

Nach Innenaufnahmen in Brandenburg wird vor allem an Originalplätzen auf dem Jakobsweg gedreht: von Saint-Jean-Pied-de-Port über Pamplona, Ricos nahe Burgos, León und Ponferrada bis Santiago de Compostela. Kein Pappenstiel: Selbst im Spätherbst herrschen entlang der staubigen, hügeligen Route noch heiße 28 Grad. Hauptdarsteller David Striesow schleppt im Rucksack sehr viele Kilos mit sich – authentisch zu sein gehört zu den wertvollsten Währungen im Filmgeschäft.

Verblüffend, wie sehr der "Tatort"- und Theaterstar seinem Vorbild während des langen Drehs Immer ähnlicher wird: Beide haben diese westfälisch helle Haut, beide schieben beim Gehen die Schultern vor. Auch wenn Striesow nicht wie Kerkeling 20 Kilometer täglich bewältigen muss: Die vielen Wiederholungen, losrennen, ein Wegstück mit dem Stock gehen, Stop, noch mal – auch das strengt an. Jeder Pilger, so erzählt der TV-Star, habe irgendwannProbleme mit den Knien. Striesow spielt Kerkeling mit feinen Untertönen. Es ist seine Interpretation des originellen Selbstfindungstrips, darauf besteht er. Den Kontakt mit Kerkeling hat er bisher absichtlich vermieden – damit sein Spiel nicht doch zur Parodie gerät.

Autor: S. GOERTZ-ULRICH

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