DIE GOLDENE KAMERA 2013
GOLDENE KAMERA Preisträger Al Pacino im Interview

Al Pacino wurde für sein Lebenswerk mit der GOLDENEN KAMERA geehrt. - Foto: © picture alliance / Eventpress HerrRa

Ein Bösewicht?

Interview mit Al Pacino

  • Artikel vom 14. Februar 2013

Wenn der Begriff Filmikone auf jemanden zutrifft, dann auf ihn: Al Pacino (72). Ein Leben ohne Schauspielerei liegt au­ßerhalb seiner Vorstellungskraft. Der fürs Lebenswerk mit der GOLDENEN KAMERA geehrte Al Pacino spricht mit HÖRZU im Interview über sein Image als Bösewicht.

HÖRZU: Die GOLDENE KAMERA fürs Lebenswerk – gibt es ein Lebensmotto, dem Sie gefolgt sind?

AL PACINO: Absolut und zu 100 Pro­zent: Nein! Denn einem Lebensmot­to zu folgen bedeutet harte Arbeit.

HÖRZU:Könnten Sie sich vorstellen, sich vom Schauspiel zurückzuziehen?

AL PACINO: Um dann was zu tun?

HÖRZU: Vielleicht haben Sie ja ein besonderes Hobby.

AL PACINO: Die Schauspielerei ist wie malen oder komponieren. Solange ich mich darüber ausdrücken kann, möchte ich nichts anderes ma­chen. Ich hatte viel Glück, weil ich im Theater angefangen habe. Und auf der Bühne gibt es immer etwas zu tun. Meist erfüllt mich Bühnenarbeit mehr als ein Film.

HÖRZU: Was meinen Sie, woran das liegt?

AL PACINO: Ich genieße die Zeit, in der das Ensemble ein Stück erarbeitet und zur Aufführung bringt. Man durchlebt das Stück dann regelrecht. Bei Dreharbeiten kann es vorkommen, dass Sie erst beim Sehen des fertigen Films wis­sen, worum es wirklich ging.

HÖRZU: Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken ...

AL PACINO: Wenn ich einhaken darf: Das mache ich nie. Zumindest nicht bewusst. Hin und wieder er­ innere ich mich an Dinge, dagegen kann ich nichts tun. Aber ich habe zwei zwölfjährige Kinder, durch sie bleibe ich im Jetzt.

HÖRZU: Wie hat sich Hollywoods Filmindustrie im Lauf Ihrer Karriere gewandelt?

AL PACINO: Relevante gesellschaftliche Themen werden seltener aufgegriffen. Heute wäre es schwie­rig, die Art von Filmen zu finanzieren, die ich in den 70ern gedreht habe.

HÖRZU: Sie spielen oft Kriminelle, sogar der Teufel waren Sie schon. Haben Sie eine Schwäche für finstere Charaktere?

AL PACINO: Nein. Die Angebote richten sich nach dem, was Sie zuvor gemacht haben. Ich war eine Zeit lang sogar Stand­up­Comedian, was mir half, gewis­se Lebensabschnitte zu überstehen. Und dann kam dieser große Film, "Der Pate". Er brachte mir einerseits enorme Freiheiten, schob mich aber auch in eine bestimmte Richtung. Manche der Rollen, auf die Sie anspielen, sind interes­sant und glitzernd. Tony Montana in "Scarface" etwa war so gut, weil Oliver Stone ihn geschrie­ben hat. Der Autor eines Films ist mir sehr wichtig. Shakespeare sagte: "The play is the thing." Daran glaube ich unbedingt.

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Al Pacino im Interview auf dem roten Teppich der 48. Verleihung der GOLDENEN KAMERA von HÖRZU:

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Autor: Interview: Dirk Oetjen

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