Besondere Abschiedsworte: Matthias Nöllke und Christian Spang haben für ihr Buch "Wir sind unfassbar" ungewöhnliche Todesanzeigen gesammelt. / Foto: © picture-alliance / epd / Foto Startseite: © picture alliance / dpa
Viele Deutsche frönen einer Leidenschaft, zu der sie sich nur ungern in der Öffentlichkeit bekennen: Sie lesen Todesanzeigen. Zu ihnen gehört auch Christian Spang. Der Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels betreibt seit 2003 die beliebte Website www.todesanzeigensammlung.de.
Gemeinsam mit dem Autor Matthias Nöllke hat er im August 2009 die schönsten, originellesten und lustigsten Traueranzeigen unter dem Titel "Aus die Maus" als Taschenbuch veröffentlicht. Das Buch hielt sich 23 Wochen unter den Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste, und zahlreiche Leser schickten ihre persönlichen Lieblings-Traueranzeigen an die Autoren. Grund genug für eine Fortsetzung, in die auch viele Vorschläge der Leser mit eingeflossen sind.
Da geht es zum Beispiel um den Schädlingsbekämpfer Horst L., der "gekämpft und doch verloren" hat. Um den Schneidermeister Karl A., der mit 97 Jahren starb und sich selbst mit dem Spruch verabschiedet "Werdet ihr erst alle mal so alt." Und um einen Bernard, der seinen Kollegen "ned nur beim Schaffa" fehlt.
Einige Todesanzeigen fallen optisch aus dem Rahmen - verziert mit Comicfiguren, schnittigen Autos oder einer sexy Frau in Unterwäsche. Manche Trauernden setzen eine persönliche Note, wenn sie schreiben, dass sie ihrem Freund einen Platz am Stammtisch freihalten oder ihn noch schnell über ein wichtiges Fußballergebnis aufklären.
Und dann gibt es natürlich noch die Anzeigen, die durch einen kleinen Fehler eine völlig neue Bedeutung erhalten. Etwa die von Dr. med Hildegard C. die "nach röm-kath. Rhythmus" bestattet wird. Oder die von Elfriede K. mit dem befremdlichen Zusatz: "Die Trauerfeier findet auf der Verstorbenen statt."
Fazit: Mal verblüffend, mal rührend, mal komisch: Diese Todesanzeigen lassen keinen kalt. Dabei kommentieren die Autoren ihre Sammlung ironisch, ohne sich auf Kosten der Verstorbenen und ihrer Angehörigen lustig zu machen.
Matthias Nöllke und Christian Spang: "Wir sind unfassbar: Neue ungewöhnliche Todesanzeigen", Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 8.95 Euro
Werfen Sie mit unserer Bilderstrecke (siehe unten) einen ersten Blick ins Buch.
Autor: Jana Mareike von Bergner
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