Elizabeth Kostova: "Die Schwanendiebe"; Cover © Bloomsbury Berlin
Wie in ihrem Debüt-Roman "Der Historiker" beschreibt die amerikanische Bestseller-Autorin Elizabeth Kostova erneut die akribische Recherche eines Menschen auf der Suche nach der Wahrheit: Dieses Mal geht es nicht um die Geschichte von Graf Dracula, sondern um Kunst. Dem Psychiater und talentierten Hobbymaler Andrew Marlow wird ein besonderer Patient zugewiesen: Robert Oliver, ein berühmter Künstler, der in der National Gallery of Art in Washington mit einem Messer auf ein Gemälde losgegangen ist. Nun sitzt er in der Psychiatrie und weigert sich zu reden. Stattdessen porträtiert er immer wieder dieselbe Frau mit dunklen Locken und einem so intensiven Blick, dass sie beinahe lebendig wirkt.
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Weil Marlow an seinen Patienten nicht herankommt, beginnt er, dessen Vergangenheit zu erforschen. Er findet heraus, dass das Gemälde, das Robert beinahe zerstört hätte, den Göttervater Zeus zeigt, wie er in Gestalt eines Schwanes die nackte Leda überfällt. Von Roberts Exfrau Kate erfährt der Psychiater, dass ihr Mann schon seit Jahren wie ein Besessener immer wieder dieselbe Frau malt, aber nicht verraten will, um wen es sich dabei handelt. Marlow selbst tippt auf Roberts ehemalige Kunststudentin und Ex-Geliebte Mary, muss aber feststellen, dass er sich getäuscht hat, als er schließlich vor ihr steht. Dafür übt Mary ihre ganz eigene Faszination auf den fast zwanzig Jahre älteren Psychiater aus.
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Je mehr Andrew Marlow über Robert Oliver herausfindet, desto stärker gelangt er zu der Überzeugung, dass die geheime Identität der Frau mit den dunklen Locken in einem Bündel alter Briefe verborgen ist. Diese Briefe hütet Robert wie einen Schatz. Es handelt sich um die Korrespondenz der begabten Pariser Malerin Béatrice de Clerval in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit ihrem Mentor Olivier Vignot. Hat ihre Lektüre Robert Oliver in den Wahnsinn getrieben? Längst hat Andrew Marlow sich weit über sein professionelles Interesse hinaus in den Fall hineingesteigert - und muss sich allmählich fragen, ob er nicht selbst von der unbekannten Frau auf den vielen Porträts besessen ist...
Fazit: Der vielschichtige Künstlerroman spielt auf zwei Zeitebenen, die geschickt miteinander verwoben werden. Elizabeth Kostova ist ein atmosphärisch dichter und psychologisch sehr interessanter Roman über die Liebe zur Kunst gelungen, der aber nicht ganz die Spannung seines Vorgängers "Der Historiker" erreicht.
Elizabeth Kostova: "Die Schwanendiebe", Bloomsbury Berlin, 670 Seiten, 24,90 Euro
Autor: Jana Mareike von Bergner
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