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Elijah Wood spielt in ''Der Herr der Ringe'' den Hobbit Frodo Beutlin.

Elijah Wood spielt in ''Der Herr der Ringe'' den Hobbit Frodo Beutlin. Nun kommt mit ''Der Hobbit: Eine unerwartete Reise'' die Vorgeschichte zu Tolkiens Fantasy-Triologie ins Kino. / Foto: © dpa - Fotoreport

So enstand die Welt der Hobbits

Die Wahrheit über Tolkiens Mittelerde

  • Artikel vom 15. Dezember 2012

Sie sind nicht besonders groß, ziemlich gemütlich, haben ständig Appetit und stark behaarte Füße. Und sie wurden geboren aus reiner Langeweile. Als der englische Sprachwissenschaftler John Ronald Reuel Tolkien einmal etwas lustlos die Arbeiten seiner Studenten korrigierte, notierte er auf ein leeres Blatt, was ihm gerade in den Sinn kam: "In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit." Der berühmte Satz, den Tolkien 1930 schrieb, war der Anfang eines Romans, aus dem am Ende vier wurden: "Der Hobbit" und die Trilogie "Der Herr der Ringe" – die erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts.

Mit den Hobbits, ihrer Heimat Auenland und der Reise seines kleinen Helden Bilbo Beutlin erfand der 1892 in Südafrika geborene Tolkien eine ganz neue Art der Literatur: Fantasyromane. Ein Produkt purer Fantasie waren dabei nur die Hobbits selbst. Viele, die sie auf ihren Reisen begleiten, denen sie begegnen und gegen die sie kämpfen, waren dagegen alte Bekannte des Oxford-Professors: Er hatte sie in seiner Bibliothek kennengelernt. Tolkien lieh sich Namen und Orte, Motive und Figuren bei den Geschichten, die ihn am meisten faszinierten, bei nordischen Heldensagen, aber auch beim Dramatiker Shakespeare.

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Sprachen faszinierten ihn

Die Mythen des Mittelalters begeisterten Tolkien schon in seiner Kindheit, die er in einem Vorort von Birmingham verbrachte. Am meisten aber beschäftigte er sich mit alten Sprachen und ihrer Herkunft. Als Schüler hielt er sogar Vorträge in Gotisch und Altenglisch und begann, eigene Sprachen zu erfinden. Quenya etwa, das in seinen Werken von den Elben gesprochen wird, entwickelte Tolkien aus dem Finnischen.

Der "Hobbit", der sich bis heute mehr als 100 Millionen Mal verkaufte, sollte ein Buch für kleine Leser werden. Mit seiner Frau Edith Mary, die seinetwegen die Verlobung mit einem anderen Mann löste und ihn 1916 heiratete, hatte J. R. R. Tolkien vier Kinder, denen er abends sehr gern Geschichten erzählte. Der Professor galt an der Universität Oxford, wo er von 1925 an einen Lehrstuhl innehatte, als Perfektionist, der allerdings dazu neigte, sich gelegentlich zu verzetteln.

John Ronald Reuel Tolkien

Der britische Schriftsteller J. R. R. Tolkien (1892-1973) liebte das beschauliche Leben. / Foto: © dpa - Report

Vielleicht weil Tolkien sich seiner Zerstreutheit sehr wohl bewusst war – vielleicht aber auch, weil er die Basis für etwas viel Größeres legen wollte –, schuf er zwar eine komplette Welt namens Arda für seine Geschichten, ließ diese jedoch größtenteils auf nur einem Kontinent spielen: Mittelerde. Ein Name, angelehnt an seine geliebte nordische Mythologie. "Midgard" ist dort die Welt der Menschen. Die wiederum ist Teil eines gewaltigen Baumes, der den gesamten Kosmos darstellt. In ihm befindet sich auch "Asgard", die Welt der Götter. Verbunden sind beide Welten über eine Regenbogenbrücke.

Da wundert es nicht, dass man in Tolkiens Mittelerde Göttern begegnet, die sich unter Menschen mischen – oder "Halblinge" wie die Hobbits. Gandalf etwa, der Zauberer, der Bilbo Beutlin im "Hobbit" den Weg weist, sieht dem größten der nordischen Götter ziemlich ähnlich: Odin. Schattenfell, Gandalfs Pferd, dürfte Tolkien bei Odins Ross Sleipnir abgeguckt haben. Beide Tiere waren die schnellsten ihrer jeweiligen Welt. Allerdings soll Sleipnir acht Beine gehabt haben – Schattenfell hat nur vier. Der Kampf mit dem Drachen Smaug, den Bilbo und die Zwerge gewinnen, erinnert an die Siegfried-Sage aus dem "Nibelungenlied".

Aber warum erfand Tolkien Hobbits? Sie mögen jenem Eskapismus entsprungen sein, den Kritiker seinem Werk vorwarfen. Tolkien, der ein für seine Zeit unaufregendes Leben führte, wünschte sich mehr Beschaulichkeit: "Ich bin selbst ein Hobbit. In allem bis auf die Größe. Ich liebe Gärten, Bäume und Ackerland ohne Maschinen. Ich rauche Pfeife, esse gern und trage gern – ein Wagnis in dieser Zeit – dekorative Westen."


Tolkiens Figuren und ihre Vorbilder:

Zauberer Gandalf

Odin und der weise Zauberer Gandalf Macht, Weisheit und ein langer Bart: Der Zauberer Gandalf hat nicht nur äußerlich viel mit dem nordischen Gott Odin gemein. Der wurde als Herrscher über Walhall, die Ruhestatt der gefallenen Helden, aber auch als Wanderer dargestellt, weil er die Welt der Götter ebenso erkundete wie die der Menschen – immer auf der Suche nach Erkenntnis. Für die Gabe seherischer Kräfte opferte Odin gar ein Auge. / Foto: © dpa - Fotoreport

Die Elben

Elben & Elfen: Alben heißen sie im nordischen Sagenschatz "Edda". Tolkien nannte sie englisch "elves", bestand aber zeit seines Lebens beharrlich darauf, dass sie in der deutschen Übersetzung nicht Elfen heißen. Die unsterblichen Elben in seinen Büchern sind auch deutlich mächtiger als die Waldgeister aus der Mythologie – obwohl die auch Albträume auslösen. Die Elbensprache Quenya leitete Tolkien vom Finnischen ab. / Foto: © dpa - Fotoreport

Zwerg Gimli

Alberich und die Zwerge Kleine Bergleute: Als Goldgräber in Minen kennt man Zwerge aus der nordischen Mythologie. Im "Nibelungenlied" bewacht Zwerg Alberich den Schatz, seine Tarnkappe macht unsichtbar – wie der Ring in "Der Herr der Ringe". / Foto: © picture alliance/Mary Evans Picture Library

Autor: Michael Fuchs

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