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Bestseller-Autor David Safier hat einen neuen Roman veröffentlicht: ''Muh!''.

Bestseller-Autor David Safier hat einen neuen Roman veröffentlicht: ''Muh!''. / Foto: © Sebastian Schmidt

Zum Verkaufsstart von ''Muh!''

Bestseller-Autor David Safier im Interview

  • Artikel vom 17. November 2012

Seine ersten großen Erfolge feierte der in Bremen lebende David Safier als Drehbuchautor der beliebten TV-Serie ''Berlin, Berlin''. Doch längst ist er vor allem für seine schrägen Bestseller bekannt. Mal wird eine egoistische TV-Moderatorin als Ameise wiedergeboren ("Mieses Karma"), mal eine ganze Familie in Monster verwandelt ("Happy Family"). Jetzt hat David Safier mit ''Muh!" einen Roman über Kühe auf dem Weg nach Indien geschrieben. Zudem startet am 20. Dezember die Verfilmung seines Romans "Jesus liebt mich"
mit Florian David Fitz in den deutschen Kinos. Gründe genug für ein Interview mit dem ungewöhnlichen Autor.

HÖRZU: Herr Safier, nachdem Sie mit "Muh" einen Roman aus der Sicht einer Kuh geschrieben haben, schmeckt Ihnen da überhaupt noch ein saftiges Rindersteak?

David Safier: Also ehrlich gesagt, ich bin nie ein solcher Fan von Steaks gewesen, aber so ein Saltimbocca alla Romagna … lecker ...

HÖRZU: Gab es ein besonderes Erlebnis, das Sie auf die Idee zu dieser Geschichte gebracht hat? Was fasziniert Sie so an Kühen?

David Safier: Mich faszinieren Fabeln, alle Geschichten, bei denen Tiere, die Helden sind und mit deren Hilfe uns etwas über uns Menschen erzählt wird. Daher wollte ich schon immer mal eine Geschichte mit Tieren erzählen, suchte aber lange nach der zündenden Idee. Sollte ich etwas über Mäuse in Acapulco erzählen? Oder den letzten Blaunussbären? Und dann fiel es mir ein: "Kühe wollen nach Indien, weil da das Leben für sie besser ist!" Von da an war mir klar: Die Geschichte muss von Kühen handeln.

HÖRZU: Ist es eigentlich leichter, sich in eine Ameise oder in eine Kuh hineinzuversetzen?

David Safier: Ich habe zeitweise als beides gelebt und kann sagen das sechs Beine weitaus praktischer sind. Nein Spaß beiseite, die Charaktere meiner Protagonisten sind ja entweder Menschen in Tierkörpern wie bei "Mieses Karma" oder eben Kühe mit menschlichem Charakter. Sagen wir in "Muh!" sind die Helden Kühe wie Du und Ich.

HÖRZU: Ihre Helden sind stets ungewöhnliche Figuren: Monster, die Reinkarnation von Shakespeare oder eben Kühe. Finden Sie normale Menschen als Protagonisten zu langweilig?

David Safier: Es sind ja eigentlich immer normale Menschen - oder eben Kühe wie du und ich - denen dann immer unglaubliche Dinge passieren. Normale Menschen, denen normale Dinge passieren, finde ich persönlich nicht so interessant, genausowenig wie ungewöhnliche Menschen, denen normale Dinge passieren.

HÖRZU: Hatten Sie je eine Idee für einen Roman, die Ihnen dann doch zu verrückt erschien?

David Safier: Nein, ich glaube bis jetzt hatte ich nur welche wo ich dachte: Hm, das könnte zu langweilig sein.

HÖRZU: Was tun Sie, wenn Sie mitten in der Handlung plötzlich steckenbleiben?

David Safier: Kaffee trinken oder Laufen mit dem Hund. Das macht den Kopf frei.

HÖRZU: Wer darf Ihre Bücher als Erster lesen?

David Safier: Meine Frau :-)

HÖRZU: Obwohl Sie früher als Drehbuchautor gearbeitet haben, wirken die meisten Ihrer Romane eher schwer verfilmbar. Wie kam es dennoch zur Kinoproduktion von "Jesus liebt mich"?

David Safier: "Jesus liebt mich" ist der einzige Roman, den man vergleichsweise leicht und vor allen Dingen so kostengünstig verfilmen kann, dass eine rein deutsche Produktion zustande kommt. "Happy Family" wird derzeit als Animationsfilm geplant, das könnte der nächste Film werden. Wenn "Mieses Karma" ihn als internationales Filmprojekt nicht noch überholt :-)

HÖRZU: Das Drehbuch haben nicht Sie geschrieben, sondern Hauptdarsteller Florian David Fitz. Fiel es Ihnen schwer, die Kontrolle über Ihre eigene Geschichte abzugeben?

David Safier: Hätte ich es selber geschrieben, hätte ich noch mal ein halbes Jahr an einer Geschichte sitzen müssen, die ich bereits schon mal in einer anderen Form geschrieben habe. Ich schätze Fitz als Schauspieler, hatte ihn - als er noch gänzlich unbekannt war - vor zehn Jahren als Cast für mehrere Episoden bei "Berlin, Berlin" durchgesetzt. In der Zwischenzeit hat er auch als Drehbuchautor reüssiert und von daher fiel es ganz und gar nicht schwer das Buch abzugeben.

HÖRZU: Wenn Sie selbst ins Kino gehen oder ein Buch lesen, wessen Humor schätzen Sie dann am meisten?

David Safier: Charlie Chaplin und Woody Allen

HÖRZU: Verraten Sie schon, welche Figur die Hauptrolle in Ihrem nächsten Roman spielen wird?

David Safier: Nein, das tu ich nicht :-)

HÖRZU: Vielen Dank, David Safier, für das Interview.


David Safier Muh!

Cover: © Kindler Verlag

Der Roman ''Muh!":

Innerhalb eines einzigen Tages bricht die gesamte Welt der reichlich naiven Kuh Lolle zusammen. Ihr geliebter Stier Champion betrügt sie ausgerechnet mit der zickigen Susi, und der Bauer hat seinen Hof versoffen. Zum Glück warnt der weltgewandte Kater Giacomo die Kühe noch rechtzeitig vor dem Schicksal, das ihnen jetzt blüht: einem Ende als Burger.

Weil Lolle den Kater vor dem bösen Geisterhofhund Old Dog rettet, erklärt Giacomo sich bereit, die Kühe nach Indien zu führen - einem Land, in dem sie angeblich niemals gegessen und wie Heilige verehrt werden sollen. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen Hilde und Radieschen - und leider auch mit Susi im Schlepptau - macht Lolle sich auf die beschwerliche Reise. Schaffen die Kühe es tatsächlich bis nach Indien?

Kritik:

Kühe sind auch nur Menschen. In der Gestalt von Rindern werden uns unsere eigenen Schwächen humorvoll vorgeführt - garniert mit einigen Kuh-Songs, die den meisten bekannt vorkommen dürften.

Fazit:

''Muh'' ist ein schräges Roadmovie für Fans des schwarzen Humors.

David Safier: ''Muh!'', Kindler Verlag, 336 Seiten, 16.95 Euro

Autor: Jana Mareike von Bergner

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