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Elly Brauer (Christine Neubauer) erinnert sich im Wald an ihre Kindheit.
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ZDF-Eventfilm ''Die Holzbaronin'': Elly Brauer (Christine Neubauer) erinnert sich im Wald an ihre Kindheit. / Foto: © ZDF und Toni Muhr

Die Hauptdarstellerin im Interview

ZDF-Eventfilm ''Die Holzbaronin'' mit Christine Neubauer

  • Artikel vom 26. Februar 2013

Wie selbstverständlich hält die elegant gekleidete Frau eine Axt in der Hand, schlägt Kerbe um Kerbe in die Rinde: Die Holzbaronin markiert Stämme, die gefällt werden sollen. Elly Seitz ist auf der Höhe ihres Erfolgs. Gerade ist sie zur Vorstandsvorsitzenden der Seitz AG gewählt worden, ihr Unternehmen zählt zu den Weltmarktführern der Holzindustrie. Aber im Augenblick des Triumphs wird sie von der Vergangenheit eingeholt. Ihr wird der Mord an ihrem im Krieg vermissten Ehemann zur Last gelegt. Und ausgerechnet der eigene Sohn tritt als Kronzeuge auf.


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Die Saga um eine Schwarzwälder Holzdynastie, angelehnt an das Buch "Die Holzbarone" von Casimir Katz, beginnt mit der Zeit des Ersten Weltkriegs, endet Anfang der 50er-Jahre und erzählt die Geschichte einer Emanzipation. Drehbuchautorin Annette Hess zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der Männer die Geschäfte führen und Frauen den Haushalt – egal wie die Talente verteilt sind.

Die junge Elly muss mit ansehen, wie ihr Großvater die Dynastie durch seine beginnende Demenz gefährdet, sie erlebt ihre Großmutter als eine Frau, die im Hintergrund die Fäden zieht, aber niemals aufbegehrt. Und sie beobachtet eifersüchtig, wie der unbedarfte Cousin an ihr vorbeizieht und als Firmennachfolger aufgebaut wird.

Der als Zweiteiler konzipierte Film, wegen des starken Konkurrenzprogramms nun an einem Abend gesendet, ruht auf den Schultern von Hauptdarstellerin Christine Neubauer sowie von Henriette Confurius, die Elly als junges Mädchen verkörpert. Mit dunkel getönten Haaren und braunen Kontaktlinsen spielt die 22-Jährige die Jahre des ersten Aufbegehrens. Heimlich schreibt sich die Unternehmerstochter an der Universität ein, um Wirtschaft zu studieren.

Als der eigene Vater das Unternehmen jedoch durch windige Aktiengeschäfte endgültig ruiniert, tut sie das, was von Frauen damals erwartet wird: Dem Erhalt der Dynastie opfert sie ihr privates Glück und heiratet den neureichen, aber charakterlich grob geschnitzten Alfred, Sohn eines Konkurrenten. Noch in der Hochzeitsnacht entzieht sie sich dem ungeliebten Mann und sucht ein letztes Mal die Nähe des Geliebten, Sohn eines armen Flößers. Eine Liebesnacht, die nicht ohne Folgen bleibt.

Niedergang einer Zunft

Neben der Geschichte einer Frau, die gegen alle Widerstände ihren Weg sucht, erinnert der Film an die ausgestorbene Zunft der Flößer. Für eine der Hauptszenen, in der ein riesiges Floß mit Baumstämmen zu Wasser gelassen wird, holten sich die Fernsehmacher die Unterstützung des traditionellen Flößervereins von Altensteig, der diese Kultur lebendig hält.

Die Wiederholung dieser Szene war eine logistische Herausforderung. Zweimal wurde das über hundert Meter lange Floß dafür auseinandergenommen, an den Ausgangsort zurückgeschleppt, neu zusammengebaut und wieder zu Wasser gelassen.

Viel Inhalt, viele Konflikte werden in den knapp drei Stunden Sendezeit bewegt. Besonders eindringlich gelingen Regisseur Marcus O. Rosenmüller die Szenen, in denen die ehrgeizige Frau die gesellschaftlichen Konventionen sprengt und als Unternehmerin vor schwierigen Entscheidungen steht.

Christine Neubauer schreitet mit strengem Haarknoten und eiserner Contenance durch das Schicksalsgewitter. Selbst als sie wegen des Verdachts auf Gattenmord tagelang in Untersuchungshaft sitzt, zeigt ihr blaues Schneiderkostüm keinerlei Falten. So viel Haltung wird belohnt: Zum Schluss leuchtet der hart geprüften Holzbaronin noch ein Abglanz von Glück.


Sendehinweis: ''Die Holzbaronin''

Historischer Eventfilm mit Christine Neubauer,
DI, 26.02., ZDF, 20.15 Uhr


Christine Neubauer

Christine Neubauer (50) spielt die Holzbaronin als erwachsene Frau. Im Interview verrät sie, welche erstaunlichen Erkenntnisse sie dabei gewann. / Foto: © ZDF und Toni Muhr

HÖRZU: Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Christine Neubauer: Die emotionalen Szenen in der Verhörsituation. Ich musste die Kühle dieser Geschäftsfrau aufrechterhalten und sie gleichzeitig verletzt und innerlich zerrissen zeigen.

HÖRZU: Was haben Sie in dieser Rolle über Forstwirtschaft gelernt?

Christine Neubauer: Das Anschlagen und Markieren eines Baumes per Axt – mit einem Hieb.

HÖRZU: Der Film zeigt auch die Macht des damals herrschenden Patriarchats.

Christine Neubauer: Mir war bekannt, dass Frauen erst nach 1918 wahlberechtigt wurden und erst nach 1910 studieren konnten. Aber dass Ehefrauen "maßvoll gezüchtigt" werden durften, das hat mich schockiert.

HÖRZU: Einmal werden Sie von Ihrem Mann geschlagen, während der Sohn hinter der Tür mit Zinnsoldaten spielt.

Christine Neubauer: Der Junge sieht nichts, hört nur die Geräusche. Später wird ihm erzählt, die Mutter sei schwer gestürzt. Was das mit einem Kind macht, kann man nur ahnen.

HÖRZU: Im Film wagt Elly Seitz den Ausbruch. Haben Sie selbst schon mal etwas Ähnliches erlebt?

Christine Neubauer: Nur im Ansatz. Mit 22 bin ich allein nach New York, auf die Lee-Strasberg-Schule, habe im Hostel mit Etagendusche gelebt, mich bei Sprechproben durchgebissen. Meine Eltern waren aber eingeweiht.

Autor: Angela Meyer-Barg

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