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Produzent: Oliver Berben mit Regisseur Uli Edel
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Produzent: Oliver Berben (l.) und Regisseur Uli Edel haben gemeinsam den ZDF-Dreiteiler ''Das Adlon'' realisiert. / Fotos: © ZDF und Stephanie Kulbach

Das TV-Ereignis 2013

ZDF-Dreiteiler ''Das Adlon'': Besuch am Filmset

  • Artikel vom 10. November 2012

"Drei, zwei, eins – Bombe!", ruft Regisseur Uli Edel. Und in der Hotellobby beginnt alles ganz furchterregend zu wackeln. Natürlich ist alles nur eine Kulisse, eins zu eins nachgebaut, zu 360 Grad bespielbar. Und natürlich wackelt hier nichts wirklich: Edels Mitarbeiter ruckeln nur geschickt an ihren Kameras. Es muss Bewegung ins Spiel, schließlich sollen heute, am 69. Drehtag, Sowjetsoldaten Berlins berühmtes 5-Sterne-Hotel stürmen, das "Adlon". "Sie sollen hereinkommen wie Gespenster", ruft der Regisseur. "Es herrscht Alarm!"

In Edels Film steht das Jahr 1945 auf den Kalenderblättern, und am Ende des Tages wird die Luxusherberge unweit des Brandenburger Tors nach einem Gelage der Russen niedergebrannt sein. So verlangt es das eng an die Historie angelehnte Drehbuch zu "Das Adlon: Ein Hotel. Zwei Familien. Drei Schicksale".

Oliver Berben produziert den TV-Dreiteiler, der im Januar 2013 im ZDF läuft. Ein wahrlich imposantes Projekt – das unzählige Rekorde bricht. 103 Schauspieler hat Oliver Berben für den "Adlon"-Dreh gewinnen können: unter anderem Heino Ferch, Marie Bäumer, Wotan Wilke Möhring, Rosemarie Fendel, Thomas Thieme sowie Sunnyi Melles. Jürgen Vogel schlendert durch die nachgebaute Halle, Katharina Wackernagel ist in Schwesterntracht unterwegs, neben dem nachgebauten berühmten Elefantenbrunnen wartet Ken Duken ganz entspannt auf seinen Einsatz. Mehr erstklassige Stars hat HÖRZU selten an einem Ort gesehen – nicht einmal in der Lobby des echten "Adlon".

Und, ja, sogar die Komparsen sind "echt" beziehungsweise "edel": In den Uniformen der sowjetischen Soldaten stecken Russen, in Hotelgäste verwandeln sich unter anderem Prominente wie Katja Eichinger und Leander Haußmann.

Menschen im Hotel

Inspiriert hat Oliver Berben die US-Serie "Hotel" (1983 – 88). Das verrät der Produzent HÖRZU beim Setbesuch. Ähnlich wie im US-Format geht es auch im Dreiteiler um Menschen im Hotel – und um den Blick durch Schlüssellöcher. Aus der Perspektive zweier Familien wird die Geschichte eines Jahrhunderts erzählt, von der Kaiserzeit bis in die 90er-Jahre.

Im Zentrum steht eine Frau: Sonja Schadt, die als Patentochter der Familie Adlon mit 15 ins Hotel kommt und dort sieben Jahrzehnte wohnt. Gespielt wird sie von Jungschauspielerin Josefine Preuß, bekannt aus dem Kinofilm "Türkisch für Anfänger", die hier ihren großen Durchbruch feiern wird.

Zu Beginn des Films begegnet Sonja Schadt Kaiser Wilhelm II. (Michael Schenk), der den Hotelaufzug nicht nutzen mag und den Liftboy zur Verantwortung mahnt: "Wenn ich in diesen Aufzug steige, ruht auf Ihren Schultern die Verantwortung für das ganze Kaiserreich!" Es folgt die Weimarer Republik, dann schließt Familie Adlon faule Kompromisse mit den Nazis. Schließlich skizziert Edels Epos die "Adlon"-Ära in der DDR und endet nach 270 Minuten Film mit der Eröffnung des Neubaus in der Bundesrepublik. Dann ist die Mauer längst gefallen – und Rosemarie Fendel in die Rolle der 90-jährigen Sonja geschlüpft.

Aus dem "Adlon", dessen Lage nahe dem Brandenburger Tor, der amerikanischen Botschaft und dem Holocaust-Mahnmal einen geschichtsträchtigen Ort markiert, machen Berben und Edel eine "Bühne des Lebens". "Die Menschen tragen die Geschichte in unser Hotel, das zu einem mikroskopischen Brennpunkt wird", erklärt Uli Edel. "Außerdem erzählen wir die Historie so, wie die echte Familie Adlon und die fiktive Familie Schadt sie erleben. Es steht kein Einzelereignis wie der Zweite Weltkrieg im Vordergrund."

Manche der kleinen Nebengeschichten, die Edel innerhalb der großen Hauptgeschichte erzählt, sind kurzweilig, andere tragisch, einige ziehen sich wie ein roter Faden durch die drei 90-Minüter. Edel und Berben lassen Weltstars wie Charlie Chaplin und Josephine Baker mit Chapeau claque und Gepard durchs Bild huschen und die wilde Zeit der "Goldenen Zwanziger" wieder aufleben. Und sie lassen das Hotel spektakulär niederbrennen. Dabei ereignete sich übrigens der einzige Unfall des Drehs: Ein Kameramann kam mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus – er war zu nahe an die Flammen getreten.

Geheimnisvoll erotisch

Oliver Berbens Herz indes brennt nicht nur für die Geschichte des Hotels, der Stadt und des Landes, sondern auch für die große Emotionalität der Familiensaga – und für die Erotik: "Hotels haben mich schon immer fasziniert. Egal wie teuer oder billig, luxuriös oder einfach sie sind, alle vereint das gleiche Attribut: Sie sind geheimnisvoll erotisch. Sie erzählen eine Vielzahl von Geschichten und hüten unzählige Geheimnisse. Bei einem so alten Haus wie dem ,Adlon‘ einmal durchs Schlüsselloch zu spähen, um all seine Komödien und Tragödien zu erforschen, war das Spannendste an diesem Projekt."

Einige der geheimnisvollen Geschichten dürfte der berühmte Produzent, Sohn von Schauspielerin Iris Berben, übrigens aus der eigenen Familie erfahren haben: Seine Tante Margarethe kochte von 1931 bis 1933 in der Küche des "Adlon".

Autor: Mike Powelz

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