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Die historische Existenz von Maria und Josef (Spielszene) scheint gesichert.
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ZDF-Doku ''Das Geheimnis der Geburt Jesu'': Die historische Existenz von Maria und Josef (Spielszene) scheint gesichert. / Foto: © ZDF und Redouane Nasreddine

Wie viel Wahrheit steckt in der Weihnachtsgeschichte?

ZDF-Doku ''Das Geheimnis der Geburt Jesu''

  • Artikel vom 25. Dezember 2012

"Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge." Die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukas-Evangelium, Kapitel 2, Vers 7, kennt jeder. Doch was hat sich damals tatsächlich zugetragen? Die ZDF-Doku ''Das Geheimnis der Geburt Jesu'' (25.12.,19.30 Uhr) begibt sich auf Spurensuche im Heiligen Land.

"Wir haben in der Geburtskirche von Bethlehem gedreht, auf den Hirtenfeldern und in Nazareth", erklärt Dr. Daniel Sich, Historiker und Autor der Produktion. "Außerdem kommen Theologen, Medizinhistoriker und auch eine Astronomieprofessorin mit ihrer Sicht der Dinge zu Wort." Wurde Jesus wirklich in Bethlehem geboren? Lag er in einer Krippe? Folgten die Heiligen Drei Könige einem geheimnisvollen Stern? Gab es den Kindermord des Herodes, wie er bei Matthäus (2,16) beschrieben wird? Daniel Sich: "All das muss man wohl verneinen. Wissenschaftler sagen, dass die Geburt Jesu aus historischer Sicht anders war, als die Evangelisten schreiben."

Das fängt beim Geburtsort an. Bethlehem? Viele Forscher vermuten, dass Jesus eher in seiner Heimatstadt Nazareth das Licht der Welt erblickte. "Nazareth war jedoch damals ein völlig unbedeutender Ort, der nicht mal in alten Quellen erwähnt wird", sagt der Theologe Prof. Gerd Theißen ("Der historische Jesus", Vandenhoeck & Ruprecht, 570 S., 34,99 €). Wie kann der Sohn Gottes aus einem völlig unbekannten Dorf kommen? Theißen: "AußerdeVerheißung in Erfüllung.

Biblische Wanderung

Der Evangelist lässt Josef und Maria für eine große Steuerschätzung von Nazareth nach Bethlehem reisen. Die ist für die fragliche Zeit aber durch keine Überlieferung belegt. "In den Jahren 74 und 75 nach Christus hat es eine allgemeine Steuerschätzung im Römischen Reich gegeben, aber nicht zur Zeit Jesu", so Theißen. Laut Lukas erfolgte der Aufruf, als Quirinius Statthalter in Syrien war. Dessen Amtszeit ist jedoch erst ab dem Jahr 6 n. Chr. belegt, als er tatsächlich eine kleine Volkszählung in Judäa durchführen ließ.

Nur: Da war König Herodes, der von etwa 73 v. Chr. bis 4 v. Chr. lebte, längst tot. Wie kann er dann regieren, als Jesus geboren wird? Wie kann er den Kindermord von Bethlehem befehlen? Und warum sollte eine hochschwangere Frau die strapaziöse Reise auf einem Esel wagen – über 112 Kilometer Luftlinie? So ganz scheinen Historie und Weihnachtsgeschichte nicht zusammenzupassen.

An Jesus muss trotzdem niemand zweifeln. Im Gegenteil: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir über die Zeit vor seinem öffentlichen Wirken sehr wenig wissen", betont Prof. Gerd Theißen, Experte für das Neue Testament. "Das gilt für viele Persönlichkeiten der Antike. Lukas und Matthäus haben diese Lücken mit wunderbarer Poesie und Legenden gefüllt. Dabei nutzten sie auch historische Ereignisse, die den Zeitgenossen vertraut waren."

Tatort Bethlehem

Dazu gehört auch die Gräueltat des Herodes. Laut Matthäus (2,16) lässt er aus Angst vor einem Rivalen in Bethlehem und Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten. Den schrecklichen Vorfall hat es, so wie die Bibel ihn beschreibt, zwar nie gegeben. Aber der König von Judäa und Galiläa ließ tatsächlich seine eigenen Söhne hinrichten. Theißen: "Das war damals noch bekannt. Und wenn man einmal im Ruf steht, die eigenen Söhne umzubringen, dann wird einem vieles zugetraut."

Lukas und Matthäus schrieben ihre Evangelien vermutlich erst zwischen 80 und 90 n. Chr. auf – also lange nach dem öffentlichen Wirken Jesu. Damals war den Menschen auch die reichsweite Steuerschätzung sehr gut in Erinnerung.

Ob die Heiligen Drei Könige ein historisches Vorbild haben? Auch darüber streiten Bibelforscher. Im Matthäus-Evangelium (2,1) ist lediglich von "Sterndeutern" oder "Magiern" die Rede. Ihre genaue Zahl wird nirgends erwähnt, ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar erhielten sie erst im Mittelalter. Waren sie babylonische Astronomen? Angehörige einer persischen Priesterkaste?

Wichtiger erscheint heute die Deutung ihrer Reise: "Die Weisen aus dem Osten sind ein Anfang", schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem neuen Buch "Jesus von Nazareth. Prolog. Die Kindheitsgeschichten" (Herder, 176 S., 20 €). "Sie stehen für den Aufbruch der Menschheit auf Christus hin."

Und der Stern? Immer wieder versuchen Astronomen, diese Himmelserscheinung mit einem realen Ereignis in Verbindung zu bringen. War es der Halleysche Komet? Eine seltene Konstellation von Jupiter und Saturn? Ein explodierender Stern? Was am Himmel geschah, wurde seit jeher als schicksalhaftes Zeichen gedeutet. "Im Jahr 44 v. Chr. sah man sogar einen Kometen als vergöttlichte Seele des gerade verstorbenen Julius Cäsar an", sagt Dr. Daniel Sich. Auch das war also ein Muster, das die Menschen damals kannten.

Unstrittig ist: Jesus kam "aus Nazareth in Galiäa", wie Markus (1,9) berichtet. Die Geburtsgeschichte verschweigt er ebenso wie der vierte Evangelist Johannes. Maria und Josef dürften als Eltern historisch gesichert sein. Alle jüdischen Traditionen wurden bei und nach der Geburt Jesu streng eingehalten – von der Beschneidung des Kindes bis zur rituellen Reinigung der Mutter.

Stall oder Höhle? Matthäus weiß davon nichts, die Hirten auf dem Feld fehlen bei ihm ebenfalls. Unser gängiges Bild von der Geburt in Bethlehem geht sowieso längst über das hinaus, was die Bibel überliefert. Stall und Krippe sehen meist so aus, wie wir es von der eigenen Heimat gewohnt sind. Auch Ochs und Esel, die zu jeder Weihnachtskrippe gehören, sucht man in den Evangelien vergeblich.

Frohe Botschaft

Egal ob historisch verbürgt oder nicht: Krippe, Hirten und der Stern von Bethlehem machen erst den wahren Weihnachtszauber aus. "Gerade das, was dazugedichtet wurde, enthält einige der schönsten Aussagen", schwärmt Prof. Gerd Theißen. "Wann fängt der Mensch an zu dichten? Wenn er verliebt ist, wenn er etwas Wichtiges zu sagen hat. Das gilt auch für die Evangelisten – auf ihre ganz besondere Weise.


Sendehinweis: ''Das Geheimnis der Geburt Jesu''

Doku über die historischen Hintergründe. Mit Petra Gerster
DI, 25.12., ZDF, 19.30 Uhr

Autor: Kai Riedemann

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