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Premierministerin Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen)
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TV-Serie ''Borgen - Gefährliche Seilschaften'': Premierministerin Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) muss hart um ihren Machterhalt kämpfen. / Foto: ARTE France / © Mike Kollöffel/DR

Dänische Politik als Erfolgshit

TV-Serie ''Gefährliche Seilschaften'' auf ARTE

  • Artikel vom 22. November 2012

Eine TV-Serie über dänische Politik? Das soll packend sein? Selbst Politiker hielten es anfangs für einen Scherz. Jeppe Gjervig Gram, Drehbuchautor des ambitionierten Projekts, erinnert sich: "Bei unseren Recherchen trafen wir viele Politiker. Sie meinten, echte Politik sei viel zu langweilig für eine Serie." So kann man sich täuschen. ''Gefährliche Seilschaften'' ist spannend und erfolgreich: In Dänemark sah beinahe ein Drittel der gesamten Bevölkerung zu. International war die erste Staffel in Europa, Asien und den USA zu sehen und erhielt zahlreiche Preise. NBC plant sogar eine amerikanische Version. Bei Arte liefen die ersten zehn Folgen im Frühjahr 2012. Am 22. November startet nun die zweite Staffel.

Im Mittelpunkt steht wieder die selbstbewusste dänische Premierministerin Birgitte Nyborg Christensen (Sidse Babett Knudsen), deren Alltag von Machtspielen, Seilschaften und Intrigen bestimmt ist. Dabei gerät sie ständig in den Zwiespalt, ihre ursprünglichen Ideale zugunsten des Machterhalts opfern zu müssen. Zugleich kämpft die zweifache Mutter um ihre Ehe und ihre Familie. Weil ihr ehrgeiziger Mann beruflich nicht dauerhaft zurückstecken mag, droht sie privat zu scheitern. So ringt sie einerseits mit großen nationalen und internationalen Herausforderungen, andererseits mit persönlichen Dramen, die sie vor der Öffentlichkeit verbergen muss.

Das ist schwer, denn Medienwelt und Politik sind eng verzahnt. So ist es folgerichtig, dass Regierungssprecher Kasper Juul (Pilou Asbæk) und die engagierte Reporterin Katrine Fønsmark (Birgitte Hjort Sørensen) zentrale Figuren des Films sind. Anders als in deutschen Produktionen, in denen Journalisten meist als zwielichtige, schmierige Typen karikiert werden, sind beide echte Charaktere, die im Spannungsfeld zwischen persönlicher Integrität, dem Kampf um demokratische Werte und der Suche nach Skandalen agieren.

Wahl vorweggenommen

Die Serie ist eng an die Realität angelehnt. "Dafür haben wir intensiv recherchiert", sagt Drehbuchautor Gram. "Natürlich handelt es sich um ein Drama. Aber wir wollen auch zeigen, wie Politik funktioniert." Um größtmögliche Authentizität herzustellen, wurde das Büro des dänischen Ministerpräsidenten originalgetreu nachgebildet. Der offizielle Regierungssitz befindet sich in Schloss Christiansborg in Kopenhagen. Die Dänen nennen es "Borgen" – die Burg.

So lautet auch der Originaltitel der Serie, die sogar die Realität vorweggenommen hat: Nach ihrer Ausstrahlung wurde im Herbst 2011 Helle Thorning-Schmidt zur ersten dänischen Ministerpräsidentin gewählt. Mit Mitte 40 ist sie im gleichen Alter wie die Serienheldin, sie ist ebenfalls zweifache Mutter, und ihre Regierungskoalition besteht aus einem Mitte-Links-Bündnis. Die Ähnlichkeiten sind auffällig. Doch Drehbuchautor Gram wiegelt ab: "Sie ist nur eine von mehreren Politikerinnen, die uns inspiriert haben."

In Dänemark wird öffentlich die Frage diskutiert, ob die Serie Thorning-Schmidt zum Wahlsieg verholfen hat. Gram meint: "Eher nicht, die Zeit war einfach reif für eine Frau an der Spitze." Inzwischen herrscht die Meinung, "Borgen" schade der echten Ministerpräsidentin eher. Denn mit der charismatischen TV-Heldin kann es Thorning-Schmidt nicht aufnehmen, ihre Umfragewerte sind schlecht. Die Serie zeigt noch mehr Wirkung: Laut einer Studie der Universität Kopenhagen interessieren sich die Dänen seit der Ausstrahlung stärker für echte Politik – ja finden sie sogar spannend.


Sendehinweis: ''Gefährliche Seilschaften''

Start der zweiten Staffel – zehn neue Folgen der dänischen Serie
Do, 22.11., ARTE, 20.15 Uhr

Autor: Thomas Kunze

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