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"The Voice of Germany"-Teilnehmer Ray Horton. - Foto © Dr. Jörn Krieger

Seine Stimme ist in ganz Deutschland bekannt: 25 Millionen Platten verkaufte das Pop-Duo Milli Vanilli, dem er seine Stimme lieh. Jetzt will Ray Horton selbst ins Rampenlicht. - Foto © Dr. Jörn Krieger

Die Stimme von Milli Vanilli

"The Voice"-Teilnehmer Ray Horton im Interview

  • Artikel vom 08. November 2012

Seine Stimme ist in ganz Deutschland bekannt: 25 Millionen Platten verkaufte das Pop-Duo Milli Vanilli, dem Ray Horton seine Stimme lieh. Bei Bands wie Nana und Fun Factory war er Hintergrundsänger. Jetzt will Ray Horton selbst ins Rampenlicht.

In der aktuellen Staffel der Musikshow The Voice of Germany gewann er die Blind Auditions und hofft jetzt auf den großen Durchbruch in Deutschland. Musikkenner räumen ihm gute Chancen ein. Im Exklusiv-Interview mit HÖRZU verrät der Sänger, was er vom Playback-Skandal bei Milli Vanilli wirklich wusste, warum er sich in den 90er Jahren von Deutschland abkehrte und wie er zu "The Voice" kam, obwohl er die Show gar nicht kannte.

HÖRZU: Milli Vanilli, die mit Hits wie "Girl I'm gonna miss you" Ende der 80er Jahre die Charts anführten, lösten einen der größten Skandale der Musikgeschichte aus, als bekannt wurde, dass alle Songs des Duos nicht selbst gesungen, sondern von Musikern im Studio aufgenommen wurden. Welche Rolle hast Du dabei gespielt?

Ray Horton: Ich war einer von drei, vier männlichen Sängern, die Musikproduzent Frank Farian damals im Studio die Songs einsingen ließ. Von der Fake-Aktion, die sie mit unseren Stimmen vorhatten, wurde uns nichts gesagt.

HÖRZU: Ist das nicht ärgerlich?

Ray Horton: Klar, 25 Millionen Platten wurden verkauft und wir haben praktisch nichts daran verdient. Aber sauer bin nicht, schließlich war dies mein Sprungbrett in die Musikbranche. Ich sehe das eher mit Ironie: Was mich eigentlich sauer machen sollte, macht mich jetzt berühmt.

HÖRZU: Was hast Du nach dem Skandal gemacht?

Ray Horton: In Deutschland ging die musikalische Entwicklung in den 90er Jahren in eine Richtung, die mir nicht gefallen hat. Reality-Shows wie "Big Brother", Soap Operas und Casting-Shows spülten zweifelhafte Charaktere auf die Musikbühne, die zwar wenig Talent besaßen, aber erfolgreich Geld scheffelten. Im Umfeld von Zlatko & Co. sah ich wenig Chancen für mich. Ich überlegte damals, ob ich nach Amerika zurückgehen oder in Europa bleiben sollte. Mir war klar: Wenn ich in die USA zurückgehe, bleibe ich dort. Ich trat daraufhin 13 Jahre lang in Osteuropa auf, unter anderem in Russland, der Ukraine, Lettland und Polen. Die Songs von Milli Vanilli, Nana, Fun Factory und anderen Bands der damaligen Zeit haben in Osteuropa noch immer viele Fans. Ich gelte dort als Legende, man hat mich aufgenommen wie einen König.

HÖRZU: Wie kamst Du zu "The Voice of Germany"?

Ray Horton: Ich habe - ehrlich gesagt - gar nicht gewusst, was diese Sendung ist. Als ich gerade in Russland war, meldete sich ein Freund aus meiner damaligen Heimatstadt Bamberg, der mir sagte: Da musst Du mitmachen! Ich habe mir die Sendung dann angesehen und fand sie interessant, weil die gesangliche Qualität im Mittelpunkt steht. Gottseidank sitzt auch Dieter Bohlen nicht in der Jury!

HÖRZU: Nach der Blind Audition, bei der Dich alle in ihrem Team haben wollten, hast Du Dich für Rea Garvey entschieden. Wie geht's jetzt weiter?

Ray Horton: In der nächsten Ausgabe am 9. November um 20.15 Uhr bei Sat.1 trete ich im Battle in Reas Team gegen Ronja Fischer an. Die 18-Jährige hat eine wunderschöne, warme Stimme. Ich habe zwar mehr Erfahrung als sie, war aber noch nie so nervös in meinem Leben. Nach 13 Jahren habe ich jetzt die Chance, endlich groß rauszukommen. Diese ganze Anspannung trage ich in mir. Mit meiner Teilnahme bei "The Voice" wollte ich eigentlich nur allen zeigen, dass ich wieder da bin. Nachdem ich in die nächste Runde gekommen bin, steht für mich fest: Ich will gewinnen!

HÖRZU: Was machst Du, wenn Du's schaffst?

Ray Horton: Ich hoffe, dass jeder Teilnehmer durch die Sendung glänzen wird, denn alle sind echte Talente und haben den Sieg verdient. Egal, ob ich gewinne: Mein Wunsch wäre, zusammen mit den anderen Musik zu machen.

HÖRZU: Vielen Dank, Ray Horton, für das Interview.

Autor: Dr. Jörn Krieger

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