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Erbaut zur Weltausstellung 1884 in Paris - der Eiffelturm
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''Terra X: Superbauten'' - Doku-Reihe im ZDF: Erbaut zur Weltausstellung 1884 in Paris - der Eiffelturm / Foto: © ZDF und Gruppe 5

Bau-Rekorde von der Antike bis heute

''Terra X: Superbauten'' - Doku-Reihe mit Christian Berkel

  • Artikel vom 09. Dezember 2012

Der Traum ist so alt wie die Menschheit. "Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen", heißt es in der Bibel (Genesis 11,4). Was für den Turmbau zu Babel galt, scheint bis heute als Motto über den ehrgeizigen Projekten zu stehen. "Mit dem höchsten Gebäude der Welt greifen wir nach den Sternen", schwärmen etwa die Erbauer des 828 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai. Ein Wettlauf zum Himmel, den jetzt die Doku-Reihe ''Terra X: Superbauten'' (ab 9.12, 19.30 Uhr, ZDF) in spektakulären Bildern präsentiert.

Die biblische Geschichte ist mehr als ein Mythos. Forscher entdeckten im ehemaligen Babylon, auf dem Gebiet des heutigen Irak, die Fundamente eines gigantischen Stufenbaus. Der Tempel taucht unter dem Namen Etemenanki in alten Chroniken auf und muss 91 Meter hoch gewesen sein – eine gewaltige Höhe für die Baumeister vor 3000 Jahren.

Höhenflug der Pharaonen

Auch die ägyptischen Pyramiden dienten vor allem dem Kult. Für die Pharaonen waren sie Grabstätten, Wege zum Himmel und zur Unsterblichkeit, Zeichen der eigenen gottgleichen Macht. Die Cheops-Pyramide bei Gizeh, vor rund 4600 Jahren errichtet, hatte ursprünglich eine Höhe von 147 Metern (heute 139 Meter). Immer noch rätseln Experten, wie die Ägypter damals 2,3 Millionen Steinblöcke zu diesem Meisterwerk der Architektur aufschichten konnten.

Der Höhenrekord der Pyramiden hielt bis ins 19. Jahrhundert, obwohl es in den folgenden Epochen ähnliche Bemühungen gab, die Sterne zu berühren. Die sogenannten Geschlechtertürme von San Gimignano etwa machten die Kleinstadt in der Toskana zum "Manhattan des Mittelalters". Den Erbauern ging es dabei nicht um göttliche Verehrung, sondern um Symbole von Reichtum und Macht. Rivalisierende Großfamilien kontrollierten die Geschicke des Ortes, errichteten insgesamt 72 bis zu 54 Meter hohe Türme. In der hügeligen Landschaft wirkten sie wie die Skyline heutiger Metropolen.

Höhepunkte des Glaubens

Gewissermaßen außer Konkurrenz streben Gotteshäuser in den Himmel. Die Kathedrale von Lincoln in England erreichte 1311 bereits 160 Meter Höhe. Das Ulmer Münster hält seit 1890 mit 162 Metern den Weltrekord. Vom Turm aus klingen die Glocken weiter übers Land und rufen zum Gottesdienst. Er mahnt wie ein Zeigefinger Gottes die Gläubigen und lenkt ihre Blicke gen Himmel.

Die Erfindung des Fahrstuhls

1854: Elisha Graves Otis stellt während der Crystal Palace Exhibition in New York seine revolutionäre Erfindung vor - einen absturzsicheren Aufzug. / Foto: © ZDF und Torbjörn Karvang

Erst mit drei Erfindungen nahm der Wettlauf richtig Fahrt auf: erstens Stahl, der beliebig formbar, aber stabil ist; zweitens Stahlbeton, der große Höhen zulässt; drittens absturzsichere Fahrstühle, die der US-Mechaniker Elisha Graves Otis 1853 erfand und die das Treppensteigen erübrigten. Wer würde schon 2909 Stufen bis zur 160. Etage des Burj Khalifa erklimmen?

Um den Titel "Erstes modernes Hochhaus" wetteifern mehrere Bauwerke: Im New Yorker Haughwout Store von 1857 verband der erste Otis-Personenlift die fünf Etagen. Das Home Insurance Building in Chicago nutzte 1885 für seine 42 Meter Höhe erstmals ein feuersicheres Stahlskelett.

Die Rekorde purzelten immer schneller. Am 31. März 1889 eröffnete der französische Visionär Gustave Eiffel in Paris das höchste Bauwerk der Erde: 300 Meter ragte der Eiffelturm in den Himmel über der Seine-Stadt, sogar 324 Meter mit der später installierten Antenne. Eiffels Firma fertigte dafür 18.038 Bauteile mit vorgestanzten Nietenlöchern, vor Ort wurde alles zusammengesetzt.

Für Rekorde setzten die Erbauer nicht nur auf Technik. Sie griffen auch zu Tricks: 1928 lagen die Bank of Manhattan und das Chrysler Building im Höhenwettlauf fast gleichauf – bis der Architekt William van Alen eine bis zuletzt geheim gehaltene Kronenspitz montieren ließ. Damit erreichte das Chrysler Building 319 Meter Höhe. Und durchkreuzte dadurch auch die ehrgeizigen Pläne für das Empire State Building. Der Entwurf sah nämlich eine Höhe von 320 Metern vor. Zu riskant. Die Konkurrenz hätte mit einem weiteren Aufbau kontern können. Also setzten die Architekten einfach einen 61 Meter hohen Turm aufs Bauwerk – als Anlegemast für Luftschiffe.

Immer mehr reizt der Mensch das technisch Mögliche aus. 2004 wurde das 508 Meter hohe Taipei Financial Center (Taipei 101) in Taiwans Hauptstadt zum Weltrekordler – mitten im Erdbebengebiet. Der Burj Khalifa von Dubai überragt den Superbau jetzt sogar um mehr als 300 Meter. Ein Symbol menschlichen Höhenrausches.


Sendehinweis: ''Terra X: Superbauten''

2. Staffel der Reihe mit Christian Berkel
Start: SO, 9.12., ZDF, 19.30 Uhr

Autor: Kai Riedemann

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