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Katarina Witt in ''Der Feind in meinem Leben''.
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Machte vor über 20 Jahren selbst Erfahrungen mit einem Stalker: Katarina Witt, die in dem Film ''Der Feind in meinem Leben'' von einem durchgedrehten Polizisten (Matthias Koeberlin) bedroht wird. - Foto © SAT.1 / Conny Klein

Im TV: 23.01., 20.15 Uhr, Sat.1

Stalking-Thriller ''Der Feind in meinem Leben''

  • Artikel vom 23. Januar 2013

"Es gibt Dinge, an die möchte man sich nicht erinnern." Sagt Katarina Witt. Der Satz könnte sich auf eine dunkle Episode im Leben der Spitzensportlerin beziehen: auf jene Zeit im Jahr 1992, als die Eisprinzessin Opfer eines fanatischen Fans wurde – eines Stalkers. Tatsächlich spricht die 47-Jährige diesen Satz nun im Sat.1-Thriller "Der Feind in meinem Leben", der Motive aus ihrer Biografie weiterspinnt zu einem spannenden Krimi (siehe TV-Tipp rechts).

Katarina Witt vertraut sich im Film dem sympathischen Polizisten Martin Breiler (Matthias Koeberlin) an, der sie vor neuen Stalkingattacken warnt. Sie ahnt nicht, dass genau dieser Mann, der sie beschützen soll, zur neuen Bedrohung wird, zum wahnhaften Fan. Eine fiktive Geschichte mit realem Hintergrund. Doch wie im Film will Katarina Witt jetzt, 20 Jahre später, nicht mehr an den Vorfall erinnert werden, nicht über ihn sprechen. Eine Interviewanfrage von HÖRZU lehnte sie ab.

Erika Schindecker (61), Vorsitzende des Vereins Deutsche Stalking-Opferhilfe e. V. (DSOH), kann den Star verstehen. Sie selbst wurde vor Jahren von einem Stalker verfolgt: "Mir hat es geholfen, über das Erlebte zu sprechen und mit dem Verein aktiv etwas für die Opfer zu tun. Aber jeder Mensch ist anders, und viele möchten nur vergessen."

Fanatismus mit Folgen

Mehr als 800.000 Menschen werden in Deutschland jährlich Opfer von Stalking. 85 Prozent der Täter sind Männer, 15 Prozent Frauen. Für die Opfer hat die Verfolgung oft verheerende Konsequenzen: "Sie sind in ihrer persönlichen Lebensführung stark eingeschränkt, leiden unter Schlafstörungen und Angstzuständen, brauchen meist Hilfe von Psychologen, um wieder ein normales Leben führen zu können", so Schindecker. "Schlimm ist vor allem, dass die Opfer anfangs häufig nicht ernst genommen werden. Weder von Freunden noch von der Polizei. Das muss sich ändern."

Die Mehrheit der Täter kommt aus dem Umfeld des Opfers. "Das können etwa Expartner oder zurückgewiesene Verehrer sein", sagt Schindecker. "Die Täter kommen aus allen Altersklassen, allen sozialen Schichten." Manche werden nach 20 Jahren wieder rückfällig – so endet der Horror für die Opfer nie. "Wenn ich jemanden treffe, der meinem Stalker ähnelt, ist das noch heute ein komisches Gefühl für mich", verrät sie. "Generell bin ich zurückhaltender als früher."

Nur zehn Prozent aller Stalking-Fälle betreffen übrigens Prominente wie Katarina Witt. Der seelisch labile Mann, der bei ihren Auftritten Gegenstände aufs Eis warf und sogar nachts vor ihrer Tür stand, wurde 1992 in die Psychiatrie eingewiesen. Das half dem Star, einen Schlussstrich zu ziehen, ja sogar einen TV-Film zum Thema zu drehen: "Da es sich um eine fiktive Geschichte handelt, stand für mich die berufliche Faszination im Vordergrund, wie aus Worten Bilder entstehen", sagt Katarina Witt. Misstrauischer sei sie auch nicht geworden. Sie habe nun eine gute Antenne dafür, wer ein echter Fan sei – und wer nicht.


Fakten zu Stalking

Privater Terror kann jeden treffen. Hier finden Sie Hilfe.

Ursprung: Der englische Begriff Stalking stammt aus der Sprache der Jäger. Er umschreibt eigentlich das Anpirschen an die Beute..
Rechtslage: Seit März 2007 ist systematischer privater Terror ein Straftatbestand (§ 238 StGB) und wird in schweren Fällen mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet.
Hilfe: Der Verein Deutsche Stalking-Opferhilfe (DSO H) hat eine kostenlose Beratungshotline eingerichtet: Tel. 0800/0800 233
Infos im Internet findet man unter www.deutsche-stalkingopferhilfe.de

Autor: Nicole Stroschein

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