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Devid Striesow als Architekt Fritjof Huber in ''Blaubeerblau''
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Devid Striesow als Architekt Fritjof Huber in ''Blaubeerblau'', einem Film der ARD-Themenwoche ''Leben mit dem Tod'' / Foto: © MDR/BR/POLYPHON/Jürgen Olczyk

Zur ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod"

Schauspieler Devid Striesow im Interview

  • Artikel vom 17. November 2012

Blau, geradezu himmelblau sind seine Augen – passend zum Filmtitel. In "Blaubeerblau", einem Filmschwerpunkt in der ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod", spielt Devid Striesow (39) einen schüchternen Architekten, der anlässlich eines geplanten Umbaus ein Hospiz ausmessen soll. Anfangs scheut er den Ort des Sterbens, dann entdeckt er ausgerechnet bei den Todgeweihten eine überraschende Lust am Leben. Striesow, bekannt geworden als Assistent von ZDF-Kommissarin "Bella Block", spielt einen Verzagten, der angesichts des Todes endlich anfängt, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.

HÖRZU: Tod und Sterben machen den meisten Menschen Angst. Ihnen auch?

Devid Striesow: Früher hatte ich eine regelrechte Panik davor. Das hat sich gemäßigt.

HÖRZU: Ihre Haltung heute?

Devid Striesow: Ohne religiös zu sein, glaube ich, dass nach dem Tod etwas kommt, dass es weitergeht, dass es eine Veränderung der Energie gibt. Trotzdem ist es für mich schwer greifbar.

HÖRZU: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet. Waren Sie in einem Hospiz?

Devid Striesow: Nein, ich wollte bewusst nicht mehr wissen als meine Filmfigur. Ich wollte mich auf genau diese Reise einlassen, die auch der Architekt Fritjof unternimmt.

HÖRZU: Fritjof versucht zunächst, sich vor der Begegnung mit den Todkranken zu drücken. Als er dann endlich ins Hospiz geht und dort hört, wie eine Harfenistin Bachs berühmte "Air" spielt, bekommt er einen nervösen Lachkrampf. Auch sonst gibt es viel zu lachen in "Blaubeerblau". Ist das dem Thema angemessen?

Devid Striesow: Unbedingt. Es wäre ja eindimensional, nur die Betroffenheitskomponente auszuspielen. Auch der todgeweihte Hannes, ein Freund, den Fritjof im Hospiz trifft, lässt noch mal das Leben reinschwappen und entdeckt den Spaß.

HÖRZU: Beide kannten sich schon von der Schule. Hannes war der Typ, der die Mädchen bekam, Fritjof der ewige Loser.

Devid Striesow: Ja, und bei der Begegnung mit Hannes platzt der Knoten. Fritjof lässt sein altes Leben zurück und macht sich endlich auf den Weg.

HÖRZU: Um seinem Freund eine letzte Freude zu machen, holt er sogar eine lebende Kuh ins Krankenzimmer.

Devid Striesow: Das ist der einzige Freundschaftsdienst, der ihm noch bleibt. Die Kuh steht für Leben, für gemeinsame Erinnerung.


Die ARD-Themenwoche

Vom 17. bis 23. November widmen sich viele Sendungen im Ersten dem Motto "Leben mit dem Tod". Höhepunkte:

So, 18.11. ''Tatort: Dinge, die noch zu tun sind''
Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic) ermitteln in der Berliner Drogenszene

Mo, 19.11. "Die Story im Ersten: Sie bringen den Tod"
Reportage über die bislang wenig bekannte Sterbehelferszene in Deutschland

Mo, 19.11. "Nuhr am Leben"
Kabarettist Dieter Nuhr beweist mit seinem Satireprogramm, dass der Tod nicht nur ernste, sondern durchaus auch komische Seiten hat


HÖRZU: Ein weiteres Bild im Film sind die Blaubeeren. Eine alte Frau im Hospiz weist die gekauften aus dem Supermarkt zurück, schwört auf die wilden Sträucher, die an geheimer Stelle wachsen.

Devid Striesow: Ist doch so: Was man auf bequemem Weg kriegt, hat selten ein Geheimnis. Ich erinnere noch, dass Tomaten früher anders schmeckten. Im Supermarkt kaufen wir heute zwar große, kleine, eierförmige – aber ihnen fehlt das Aroma. Bei einem Gastspiel in Belgrad habe ich erstmals wieder erlebt, wie Tomaten überhaupt schmecken können!

HÖRZU: Die Kamera fängt Ihre Augen so ein, als sollten sie das Blau der Blaubeeren illustrieren. Steckt dahinter ein Hilfsmittel, etwa Kontaklinsen?

Devid Striesow: Nein, meine Augen sind so. Woran wir gearbeitet haben, sind Einzelheiten. Fritjof hat einen auffallend steifen Gang, also musste ich darauf achten, beim Spielen einen geraden, durchgedrückten Rücken zu behalten.

HÖRZU: Demnächst steht für Sie eine neue Herausforderung an: Sie werden "Tatort"- Kommissar in Saarbrücken. Die ersten beiden Folgen sind schon abgedreht. Was erwartet die Zuschauer?

Devid Striesow: Dieser Kommissar Jens Stellbrink ist ein ganz bunter Vogel: Er fährt eine rote Vespa, trägt eine Kombi aus Jogginghose, braunen Schuhen und kariertem Hemd. Mich hat der humoristische Anteil daran gereizt. Die erste Folge wird Ende Januar ausgestrahlt.

HÖRZU: Was bedeutet das für Jan Martensen, den Assistenten der Bella Block? Als rechte Hand der knurrigen Kommissarin wurden Sie ja bekannt.

Devid Striesow: Diese Rolle musste ich abgeben. Man kann nicht zwei Kommissare bei den Öffentlich-Rechtlichen spielen. Das bringt der Zuschauer nicht zusammen. Zum Abschied hat mir die Producerin sämtliche Folgen geschenkt.

HÖRZU: Und? Wie gefallen Sie sich?

Devid Striesow: Irgendwie wirke ich so schmal, so klein. So sehe ich mich gar nicht mehr.

HÖRZU: So sind Sie auch nicht. Woran liegt’s?

Devid Striesow: Für die verschiedenen Rollen mache ich etwas mit mir. Demnächst spiele ich einen Transsexuellen. Für diese Rolle habe ich mich runtergehungert – so weit, dass ich ganz kantig wurde und die Regisseurin sagte: "Mach mal wieder bisschen dicker, Devid!"

HÖRZU: Theater spielen Sie auch noch. Wird das nicht alles zu viel?

Devid Striesow: Das ist die grundsätzliche Schule des Spielens. Man hat nicht die Chance, in Großaufnahmen mit der Augenbraue zu zucken, man ist den ganzen Abend präsent, kann sich nicht verstecken. Das sollte jeder Schauspieler üben.

HÖRZU: Große Schauspieler pflegen gern ein paar Marotten. Verraten Sie Ihre?

Devid Striesow: Ich mache meine Reisedisposition selbst und fahre mit meinem Campmobil zum Drehort. Wenn möglich, nehme ich meine Frau Francine und die Kinder mit.

HÖRZU: Was ist Ihnen daran so wichtig?

Devid Striesow: Sobald ich im Auto sitze, höre ich meine Musik: Klassik oder die Gruppe Stoppok. Während der Dreharbeiten ist das Campmobil mein Zuhause – mein Schneckenhaus, in das ich mich zurückziehen kann.


Sendehinweis: ''Blaubeerblau''

Ein Architekt (Devid Striesow) gewinnt unter Todkranken Lebensmut
Mi, 21.11., Das Erste, 20.15 Uhr

Autor: Angela Meyer-Ba rg

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