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Rommel (Ulrich Tukur) beobachtet die Feindbewegungen am Himmel.
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Rommel (Ulrich Tukur), begleitet von seinem Adjutant Aldinger, beobachtet die Feindbewegungen am Himmel. / Foto: © SWR/Kerstin Stelter

Die letzten sieben Monate seines Lebens

''Rommel'' - Film über den Wüstenfuchs mit Ulrich Tukur

  • Artikel vom 01. November 2012

Der "Führer" ist empört: Erwin Rommel soll ein Verräter sein? Der Kriegsheld, der "Wüstenfuchs"? Schwer zu glauben! "Wenn das stimmt, ist das die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens", sagt Adolf Hitler (Johannes Silberschneider) in dem neuen Fernsehfilm ''Rommel'' (1.11., 20.15 Uhr, Das Erste). War Erwin Rommel am Ende ein Widerstandskämpfer oder ein williger Gefolgsmann Hitlers, dessen Machtübernahme er einst begrüßt hatte?

Der sechs Millionen Euro teure Film mit Ulrich Tukur als Rommel sorgte bereits im Vorfeld für Sprengstoff. Erst sprangen der Autor und einige Berater ab, später gab es Streit mit der Familie Rommel. Der Film zeigt die letzten sieben Monate Rommels: März 1944. Generalfeldmarschall Erwin Rommel soll die Invasion der Alliierten an der Atlantikküste abwehren, doch Hitler akzeptiert seine Strategie nicht. Rommels Stabschef, General Hans Speidel, hat Verbindungen zum militärischen Widerstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und informiert Rommel über die Pläne, Hitler zu stürzen. Der allerdings weist den Gedanken an ein Attentat zurück.

Je aussichtsloser aber die Lage an der Atlantikküste wird, desto größer werden Rommels Zweifel an Hitler. Als die Invasion der amerikanischen und britischen Kampfverbände in der Normandie beginnt, haben die deutschen Truppen ihr nur wenig entgegenzusetzen. Hitler jedoch weigert sich, den Ernst der Lage anzuerkennen, und hält weiter an seinem Endsiegwahn fest.

Gerade als Verschwörer in Berlin und Paris ihr Attentat auf Hitler vorbereiten, wird Rommel bei einem Fliegerangriff schwer verletzt. Er liegt im Krankenhaus, während die Operation Walküre ausgerufen wird. Als der Anschlag auf den "Führer" scheitert, werden die Pariser Verschwörer von der SS verhaftet. In den Verhören fällt dann auch Erwin Rommels Name. So gerät Hitlers einstiger Günstling in den Verdacht, ein Verräter zu sein.

Keine Heldensage

Der Film spart Rommels Afrikafeldzüge und seinen Aufstieg zum Volkshelden aus. Als die Arbeit an dem Projekt vor sechs Jahren begann, war das noch anders. Die erste Drehbuchversion stammte von Maurice Philip Remy. Und der wollte das komplette Leben erzählen – wie er es bereits in seiner dreiteiligen TV-Doku und in seinem Buch über Erwin Rommel getan hatte. Doch Produzent Nico Hofmann hatte damit Probleme: "Das ganze Leben jetzt noch mal zu fiktionalisieren macht keinen Sinn. Das haben schon andere vorher gemacht." Etwa der amerikanische Spielfilm "Rommel, der Wüstenfuchs" mit James Mason aus dem Jahr 1951. Hofmann und Remy beendeten also ihre Zusammenarbeit.

Dafür sprang Niki Stein ein, der auch Regie führte. Von ihm stammt die Idee, sich auf die letzten sieben Monate im Leben Rommels zu konzentrieren: "Erst da wird er in seiner Widersprüchlichkeit interessant." Damit rannte er bei Produzent Hofmann offene Türen ein: "Mich interessiert Rommels Ambivalenz. Auf der einen Seite der Hitler-Bewunderer und dann der Zweifler."


Erwin Rommel

Foto: © SWR/Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Erwin Rommel - Mythos und Wahrheit

Am 15. November 1891 in Heidenheim geboren, tritt er bereits 1910 ins württembergische Heer ein. Im Ersten Weltkrieg ist er in Belgien, Verdun und Italien im Einsatz, bekommt das Eiserne Kreuz verliehen. Er begrüßt die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und wird zum glühenden Verehrer Hitlers. Als er 1941 den Oberbefehl über das deutsche Afrikakorps in Libyen bekommt, hat er den Auftrag, die Engländer aufzuhalten. Doch Rommel geht zum Angriff über. Im Juni 1942 erobert er Tobruk und wird mit seinem "Draufgängertum" zum Volkshelden. Der Mythos vom "Wüstenfuchs" wird von den Nazis propagandistisch ausgeschlachtet. Im Herbst starten die Briten eine Gegenoffensive. Hitler fordert, die Stellung zu halten.

Rommel ignoriert den Befehl und beginnt den Rückzug. Im November 1943 bekommt er den Auftrag, die Atlantikküste zu verteidigen. Nach dem Attentat auf Hitler hält ihn dieser für einen Verräter und befiehlt die Selbsttötung. Am 14. Oktober 1944 schluckt Rommel im Beisein zweier Offiziere eine Giftkapsel. Nach einem großen Staatsakt in Ulm wird er im nahe gelegenen Herrlingen beigesetzt.


Zudem hatten beide Bedenken, dass eine Gesamtschau auf Rommels Leben den Film leicht in eine falsche Richtung hätte führen können. "Für mich war es undenkbar, in eine gloriose, revanchistische Rommel-Darstellung zu verfallen", so Produzent Nico Hofmann. "Der Wüstenkrieg hätte sehr verklärend gewirkt", findet auch Regisseur Niki Stein, bei dem Erwin Rommel trotzdem nicht schlecht wegkommt. "Für mich war er kein Widerstandskämpfer. Aber am Ende ist er der Einzige unter den führenden Militärs, der bereit war, gegen Hitler aufzubegehren."

Zudem wollte Stein Rommel als Menschen gerecht werden: "Deshalb war Ulrich Tukur meine erste Wahl. Ich wusste, dass er ihn sympathisch, aber nicht eindimensional darstellen würde." Tukur sagte sofort zu: "Rommel war mir relativ nahe. Ich habe mich ihm zunächst über die Sprache angenähert. Das Militärische kenne ich aus meiner Familie, ich stamme aus einem konservativen schwäbischen Elternhaus und habe als Kind die Militärbücher meines Vaters und Großvaters gelesen, in denen stets das Ideal vom edlen Soldaten verbreitet wurde."

Für ihn ist Rommel aber kein Held: "Mich erschüttert, dass er das Zeug dazu gehabt hätte, einen Unterschied zu machen, wenn er zur richtigen Zeit über seinen Schatten gesprungen wäre. Aber aufgrund seiner Zögerlichkeit nimmt er sich diese Chance. Das macht ihn für mich zur tragischen Figur."

Offenbar ist es genau dieser Ansatz, der für Kontroversen mit Rommels Nachkommen sorgt. Die zögerliche Haltung passt nicht zum Mythos. "Wir haben den Eindruck, dass der Film dem Menschen Erwin Rommel nicht gerecht wird", klagt die Enkelin Catherine Rommel. "Er wird als Marionette dargestellt, ohne eigene Meinung."

Die Reaktion der Familie Rommel kann niemand aus dem Filmteam nachvollziehen. Tukur: "Darüber habe ich mich gewundert, denn der Film geht sehr behutsam und respektvoll mit Rommel um." Und Produzent Hofmann betont, akribisch auf die historischen Fakten geachtet zu haben: "Wir haben uns über Jahre von führenden Historikern beraten lassen. Denn am Ende muss der Film vor der Weltöffentlichkeit bestehen – nicht nur vor der Familie Rommel."


Sendehinweis: ''Rommel''

Fernsehfilm mit Ulrich Tukur als Generalfeldmarschall Erwin Rommel
DO, 1.11., Das Erste, 20.15 Uhr


''Rommel'' kommt am 2. November als DVD und Blu-ray in den Handel.

Autor: Thomas Kunze

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