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Dieter Könnes vor seinem eigenen Altkleider-Container

WDR-Sendung ''Könnes kämpft: Der lange Weg der Altkleider'' - Dieter Könnes vor seinem eigenen Altkleider-Container / Foto: © WDR/probono GmbH/Florian Nöthe

Das schmutzige Geschäft mit Second Hand

''Könnes kämpft: Der lange Weg der Altkleider'' im WDR

  • Artikel vom 09. Dezember 2013

Wenn der Kleiderschrank überquillt, das neue Shirt ein Fehlkauf war, die Jeans nicht mehr sitzt – dann gibt’s eine einfache Lösung: den nächsten Altkleidercontainer. Spenden für einen guten Zweck. Glauben viele. Tatsächlich ist der Handel mit Altkleidern ein Millionengeschäft – und unsere gebrauchte Kleidung eine begehrte Ware.

Längst mischen nicht nur karitative Organisationen mit, sondern auch die Kommunen. Oft leider auch dubiose Händler. "Die Alttextilbranche setzt in Deutschland pro Jahr insgesamt etwa 300 Millionen Euro um", weiß Andreas Voget von FairWertung. In diesem Verein haben sich gemeinnützige und kirchennahe Organisationen zusammengeschlossen, die Kleidung sammeln.

Gut 750.000 Tonnen Textilien landen jedes Jahr in den Sammlungen – viel mehr, als die Sozialkaufhäuser benötigen. Deshalb wird der Großteil der Spenden verkauft. Das bedeutet: Alle Organisationen, die Secondhandware sammeln, verdienen auch Geld damit – selbst die karitativen.

Jeder sechste Container: illegal

Wer genau hinter einem Altkleidercontainer steckt, ist nicht leicht zu erkennen. Gewerbliche Firmen gaukeln häufig vor, für Kinder, Bedürftige oder Menschen in der Dritten Welt zu sammeln – wirtschaften aber in die eigene Tasche. In Deutschland stehen ungefähr 120.000 Container. Mindestens jeder sechste ist illegal, schätzt FairWertung. Voget: "Vielerorts werden über Nacht Container auf privaten Grundstücken aufgestellt, die nicht direkt einem Besitzer zuzuordnen sind."

Die Kommunen greifen zwar verstärkt durch, allerdings ist die Prüfung der Container aufwendig. Mittlerweile haben viele Städte das Kleidersammeln sogar als Geschäftsmodell für sich entdeckt. "Die Textilien werden gegen Höchstgebot an gewerbliche Verwerter verkauft – zum Teil allerdings ohne nähere Prüfung der Abnehmer", kritisiert Voget.

Leidtragende sind vor allem gemeinnützige Organisationen. "Diese Entwicklung beobachten wir mit Sorge", sagt Stephanie Krone vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). "Jede Spende, die uns entgeht, fehlt uns in unserer Arbeit." Auch das Rote Kreuz verkauft rund 90 Prozent der Kleiderspenden und macht damit im Jahr mehr als zehn Millionen Euro Gewinn. Aber: "Mit den Einnahmen finanzieren wir soziale Projekte", erklärt Krone.

Vom Container aus tritt die Secondhandware eine mitunter lange Reise an. Zunächst verkaufen die Sammler sie an Textilsortierbetriebe. Den weltweit größten betreibt nach eigenen Angaben die Firma Soex in Bitterfeld-Wolfen. 20 bis 30 Lkw rollen hier täglich an, mehr als 750 Mitarbeiter arbeiten hier. "Sie prüfen die Kleidungsstücke auf Qualität, Material und modische Aspekte", so Stephan Kruse-Thamer von Soex.

Minderwertiges wird zu Putzlappen verarbeitet oder zu Rohstoffen recycelt, etwa Dachpappen oder Autoverkleidungen. Gut erhaltene Teile werden verpackt, abtransportiert und in den weltweiten Secondhandhandel eingespeist. Ein Hauptabsatzmarkt ist Afrika.

So ist Spenden sinnvoll

Hier bieten Verkäufer die ausrangierte Kleidung auf Märkten an. Andreas Voget von FairWertung erklärt: "Secondhandware ist für viele Menschen die beste Möglichkeit, sich preisgünstig mit qualitativ guter Bekleidung auszustatten." Doch es gibt auch Kritik: So soll die Billigkleidung aus Europa heimische Textilmärkte überschwemmen – und die Wirtschaft schädigen.

Voget weist das jedoch zurück: "Der Hauptgrund für den Niedergang vieler Textilbetriebe in den Importländern liegt in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit gegenüber asiatischen Herstellern wegen hoher Korruption, schlechter Infrastruktur und Kapitalmangels." Zudem leben gerade in Afrika viele Kleinhändler vom Altkleiderverkauf.

Was heißt das für unsere Spenden? "Wer seine Kleidung verantwortungsvoll abgeben möchte, sollte sich jeden Container oder Sammelzettel genau ansehen", rät Voget. Container für gemeinnützige Zwecke sind mit einem Zeichen von FairWertung gekennzeichnet (Übersicht unter www.fairwertung.de). Noch besser aber: Kleidung direkt zu Kleiderkammern und Sozialkaufhäusern bringen!


Sendehinweis: ''Könnes kämpft''

Der lange Weg der Altkleider vom Container bis zum Kleidermarkt in Afrika
MO, 9.12., WDR, 20.15 Uhr

Autor: Manuel Opitz

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