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Mo Asumang mit arischen Frauen in Abiyaneh, Iran - Foto © ZDF/ S. Naumann

Mo Asumang mit arischen Frauen in Abiyaneh, Iran. - Foto © ZDF/ S. Naumann

Doku "Die Arier"

Interview mit Mo Asumang

  • Artikel vom 04. Mai 2014

Sie geht dahin, wo es wehtut. Mo Asumang (50) spricht mit den Leuten, die sie wegen ihrer dunklen Hautfarbe verachten. Vor Jahren gab es in dem Hetzsong der Neonaziband White Aryan Rebels eine Morddrohung gegen sie. Seitdem engagiert sich die afrodeutsche Filmemacherin gegen Rassismus.

Für ihre neue, trotz des harten Themas auch unterhaltsame Doku "Die Arier" traf sie Rassisten und klärt die wahren Ursprünge des Begriffs "Arier". Kurz nach dem Interview mit HÖRZU gewann ihr herausragender Film auf dem US-Filmfestival in Phoenix zwei Hauptpreise – als beste Dokumentation und Favorit des Publikums.


Programmtipp: "Die Arier"
Montag, 05. Mai, 23:55 Uhr, ZDF

HÖRZU: Vor Jahren gab es eine Morddrohung gegen Sie. In "Die Arier" gehen Sie auf Neonazis und andere Rassisten zu. Warum tun Sie sich das an?
Mo Asumang Ich will etwas gegen Rassismus tun und bin neugierig auf die Leute, die mich anfeinden. Ich setze meine Hautfarbe bewusst ein und konfrontiere sie auf menschlicher Ebene mit ihrem Feindbild – sonst hätte den Film jeder machen können.

HÖRZU: Warum wählten Sie den Begriff "arisch" als roten Faden?
Mo Asumang Weil sich Rassisten weltweit auf das Wort "arisch" oder das englische "Aryan" berufen. In den USA gibt es über 1000 Hassgruppen, viele tragen "Aryan" im Namen. Kaum einer weiß: Die Arier waren ein Hirtenvolk mit Ursprung im heutigen Iran. Die Nachfahren der Arier herrschten einst über ein riesiges Reich, aber niemals in Nordeuropa. Hitler hat den Begriff aus der Sprachwissenschaft seiner Ideologie aufgepfropft.

HÖRZU: War es einfach, diese Rassisten zu treffen?
Mo Asumang Nein! Keiner meiner Gesprächspartner wusste, dass eine Schwarze zu ihm kommt. Sonst hätte es diese Treffen nie gegegeben. Die wollen nicht mit dem Feindbild reden.


Die Arier
Mo Asumang und Tom Metzger (Gründer "White Aryan Resistance"), einer der führenden Rassisten in den USA - Foto © ZDF/Yoliswa von Dallwitz

HÖRZU: In den USA trafen Sie Mitglieder des Ku-Klux-Klan. Hatten Sie keine Angst?
Mo Asumang Nur als wir sie suchten. Wir hatten den ganzen Tag in der Nähe von Mount Airy in North Carolina nach dem Treffpunkt einer KKK-Gruppe gesucht, fanden aber erst nachts einen Waldweg mit zwei Südstaatenflaggen. Da gingen wir nicht rein, es war zu riskant. Per Telefon habe ich mit einem KKK-Mann ein Treffen ausgemacht. Sie kamen im Pick-up, auf dem Rücksitz lagen zwei Maschinengewehre.

HÖRZU: Was hatten Sie für einen Eindruck von diesem Mitgled des Ku-Klux-Klan?
Mo Asumang Wie bei allen Rassisten: Die basteln sich ihre Realität zurecht. Immerhin hat er sich dem Gespräch gestellt. Am Ende waren wir fassungslos und froh, dass wir alles lebend überstanden haben.

HÖRZU: Wie hat Tom Metzger, ein berüchtigter US-Rassist und Gründer der "White Aryan Resistance", auf Sie reagiert?
Mo Asumang Er hat erst gestutzt und fragte, wer das Interview führen würde. Schließlich ließ er sich darauf ein, weil er ins deutsche Fernsehen wollte. Das hat er ja geschafft. Aber im Film weiß der Zuschauer bereits alles über "Arier". Deshalb widerspreche ich Metzger nicht, bleibe nett, offen und normal. Der Zuschauer kann sich selbst seine Meinung bilden. Aber es tut weh, diese Anfeindungen zu hören, ich musste mich zusammenreißen. Am Ende hat er mich umarmt. Absurd.

HÖRZU: Was wünschen Sie sich für Ihren Film?
Mo Asumang Mein Wunsch wäre es, dass alle neunten Klassen das Thema durchnehmen und den Film dazu sehen.

Autor: Interview: Dagmar Weychardt

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