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Der Seefahrer Christoph Kolumbus wollte eigentlich nach Asien reisen.
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Der Seefahrer Christoph Kolumbus wollte eigentlich nach Asien reisen. / Fotos: © ARTE France / © Agat Films & Cie

Geschichts-Doku auf Arte

Die Welt des Christoph Kolumbus

  • Artikel vom 12. Januar 2013

Als Christoph Kolumbus 1506 starb, ahnte er nicht, dass er als Entdecker Amerikas in die Historie eingehen sollte. Er selbst glaubte zeitlebens, in Asien gelandet zu sein. Tatsächlich ist die Entdeckung der Neuen Welt seinem grandiosen Scheitern zu verdanken. Denn sein Ziel war ein anderes: Er suchte den westlichen Seeweg nach Indien, der den Handel mit dem Fernen Osten vereinfachen sollte. Die folgenschweren Irrwege des Abenteurers zeichnet nun die TV-Doku ''Die Welt des Christoph Kolumbus'' (12.01., 20.15 Uhr, Arte) nach.

Unterstützt vom spanischen Königshaus startet der in Genua geborene Seefahrer am 3. August 1492 von Südspanien aus mit drei Schiffen. Nach den Vorstellungen seiner Zeit besteht die Welt aus drei Kontinenten: Afrika, Asien und Europa – wobei nur letzterer völlig erkundet ist. Da es keine Einigkeit über den Erdumfang gibt, berechnet Kolumbus seine Route viel zu optimistisch. Hätte der passionierte Kartograf die wahre Entfernung bis Indien gekannt, wäre er vermutlich nie losgefahren.

So aber wagt er die Reise ins Unbekannte, bezwingt den Atlantik – und erreicht am 12. Oktober 1492 eine Insel der heutigen Bahamas. Da er sich aber vor der Küste Indiens wähnt, nennt er die friedlichen Einwohner "Indianer". Die weitere Fahrt führt an Kuba vorbei zur Insel Hispaniola, die er für das von Marco Polo beschriebene Japan hält. Dort läuft das Flaggschiff "Santa Maria" auf Grund, sodass 39 Männer zurückbleiben müssen. Als Kolumbus im März 1493 wieder in Spanien anlegt, lässt er sich als Entdecker eines neuen Seewegs nach Asien feiern.

Blutige Eroberung

In der Hoffnung auf Bodenschätze drängt das spanische Herrscherpaar auf eine baldige zweite Reise. Kolumbus wird beauftragt, die "Neue Welt" zu besiedeln, die Ureinwohner zu christianisieren. Im September 1493 sticht der Admiral mit 17 Schiffen und 1200 Mann erneut in See. Die Siedlung auf Hispaniola findet er zerstört vor: Einige Männer haben sich im Streit gegenseitig umgebracht, andere wurden von misshandelten Indianern getötet. Ein Blutbad mit Folgen: Die Spanier rächen sich brutal, töten und versklaven die Indigenas.

Kolumbus’ Rolle bei diesen Gräueln ist umstritten, als Statthalter der neuen Siedlung gerät er jedoch bald in die Kritik. Zumal sein Interesse eindeutig mehr den Erkundungsfahrten gilt. Er segelt die Küste Kubas entlang, das er für das chinesische Festland hält. Nur 100 Meilen weiter hätte er festgestellt, dass es sich
um eine Insel handelt – und sein Weltbild korrigieren müssen.

So aber kommen ihm erst bei seiner dritten Reise Zweifel. Denn die südlichere Route führt ihn 1498 in das Mündungsgebiet des Orinoko. Kolumbus ahnt zwar, dass er einen Kontinent vor sich hat, er kann das fremde Land aber nicht in seine Geografie integrieren, die keinen vierten Erdteil zulässt. Er findet eine andere Erklärung: Es muss sich um das irdische Paradies handeln, das laut mittelalterlichen Kartografen im Orient liegt.

Forscherdrang auf See

Unterdessen erkunden auch andere Seefahrer die Welt, darunter der Italiener Amerigo Vespucci, der 1499 in Südamerika landet. Als erster Europäer äußert er die Überzeugung, dass es sich um einen neuen Kontinent handelt – und wird später zum Namenspatron Amerikas. Kolumbus dagegen bleibt seiner Obsession verhaftet: Er sucht die von Marco Polo beschriebene Malakka-Halbinsel mit dem Durchgang nach China und Indien.

Tatsächlich aber führt ihn seine letzte Reise 1502 nach Mittelamerika. Dort segelt er die Küste entlang, bis er die Lagunen von Panama erreicht. Überzeugt, dass er sich vor Asien befindet und hinter der Landzunge ein Ozean liegt, sucht er nach einer Durchfahrt – muss die Reise aber krank abbrechen.

Sein Seefahrerinstinkt jedoch ist genial: 400 Jahre später entsteht an dieser Stelle der Panamakanal. Völlig verstrickt in seine Fehldeutungen, hat Kolumbus weder sein Scheitern noch seine eigentliche Leistung je erkannt. Dass wir ihn heute dennoch als Entdecker Amerikas kennen, ist letztlich seinen Erben zu verdanken: Als man Kolumbus’ Enkeln vertraglich zugesicherte Erträge aus den spanischen Kolonien streichen wollte, strengten sie einen Gerichtsprozess an.


Senderhinweis: ''Die Welt des Christoph Kolumbus''

Doku über den berühmten Seefahrer und seine Reisen
SA, 12.1., Arte, 20.15 Uhr

Autor: Judith Heisig

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