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So sieht das Hotel Adlon heute aus.
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So sieht das Hotel Adlon heute aus. / Foto: © ZDF und Till Vielrose

Plus: die Geschichte des Hotels von Gero von Boehm

''Das Adlon'' - HÖRZU zeigt Video-Interviews zum Dreh

  • Artikel vom 06. Januar 2013

Stars, Skandale, Sensationen, Liebe, Lügen, Leid – Oliver Berbens zehn Millionen Euro teurer ZDF-TV-Dreiteiler ''Das Adlon. Eine Familiensaga'' erzählt die spannende Geschichte von Deutschlands erstem Fünfsternehotel am Brandenburger Tor. Kein anderer kennt die Geschichte des von Legenden umrankten Luxustempels besser als Gero von Boehm (58), Autor von ''Das Adlon – die Dokumentation''. Exklusiv in HÖRZU erzählt er sie vorab.


HÖRZU zeigt vier Video-Interviews mit den Stars aus dem großen ZDF-Dreiteiler ''Das Adlon''.

Josefine Preuß schwärmt für ihre Rolle der Sonja Schadt:

Johann von Bülow spielt Sonjas Verehrer Sebastian:

Anja Kling und der Mythos Adlon:

Wotan Wilke Möhring und das Adlon:


Lorenz Adlon, der Erbauer des Hotels, ist ein Geschäftsmann mit Visionen. Als Gastronom hat er in Mainz klein angefangen, später aber, zur Kaiserzeit, in Berlin mit Restaurants wie den berühmten "Zooterrassen" ein Vermögen gemacht. Selbst dieses aber reicht nicht aus, um seinen Lebenstraum zu realisieren: ein Luxushotel. Es soll an Berlins erster Adresse stehen: Unter den Linden 1, direkt am Brandenburger Tor.

Kaiser Wilhelm II. lässt sich vom Unternehmergeist des Hoteliers begeistern und ebnet ihm den Weg zur Bewilligung hoher Kredite. So kommen 17 Millionen Goldmark zusammen für den Bau und die erlesene Ausstattung des Hotels – nach heutigem Geldwert etwa 350 Millionen Euro.

Ein Symbol für Berlin

Im Adlon, so denkt sich Seine Majestät, kann man der Welt zeigen, wie modern Berlin ist. Denn hinter klassischen Mauern verbirgt sich eine für die damalige Zeit einmalige technische Ausstattung. Elektrizität und fließend warmes Wasser gehören zum Standard der verschwenderisch ausgestatteten Zimmer. Der Fahrstuhl – damals eine Novität – bringt die Gäste in die einzelnen Stockwerke.

Wilhelm II. ist begeistert. Und die Berliner Hautevolee mit ihm. In der Kaiserzeit verkaufen vornehme Adlige und reiche Großbürger ihre Winterpalais in Berlin, um während der Ballsaison in den Suiten des Adlon zu residieren. Dort bringt der Kaiser auch gern Gäste aus seiner weit verzweigten europäischen Verwandtschaft unter – etwa anlässlich der Hochzeit seiner einzigen Tochter Viktoria Louise mit Ernst August III. von Cumberland. Damit hat das Adlon endgültig den Status des "Hof-Hotels" erreicht. Auf alle, die dort wohnen, strahlt ein wenig von diesem Glanz ab, seien es Adlige oder Edelprostituierte.

Gero von Boehm

Kameramann Till Vielrose und Gero von Boehm / Foto: © ZDF und Felix von Boehm

Im Übrigen gilt unter dem Personal die Parole, die Lorenz Adlon ausgegeben hat: "Was im Adlon geschieht, bleibt im Adlon." Selbst als der Krieg ausbricht, werden die meisten Angestellten des Adlon nicht eingezogen – alles soll weitergehen wie bisher.

Doch wenig später ist die Kaiserzeit vorbei. In der Nähe des Adlon, auf dem Balkon des Reichstags, wird am 9. November 1918 die Republik ausgerufen. Lorenz Adlon, der Kaisertreue, grämt sich. Und dann kostet ihn die neue Zeit auf tragische Weise das Leben. Ausgerechnet an jenem 9. November hat er einen schweren Unfall – gleich vor seinem Hotel. Als er wenig später ein zweites Mal von einem Auto erfasst wird, segnet er das Zeitliche.

Nach seinem Tod 1921 erben die älteste Tochter Anna und ihr jüngerer Bruder Louis das Hotel. Letzterer setzt sich ins gemachte Nest und genießt den Kontakt zu den interessanten Gästen. Albert Einstein schaut öfter mal vorbei. Der damals noch unbekannte Billy Wilder ist Dauergast im Adlon. Louis Adlon ist zu jener Zeit noch mit seiner ersten Frau Tilli verheiratet. Doch ausgerechnet im Hotel lernt er seine zweite Frau Hedda kennen.

Die wilden Zwanziger spielen sich zu einem Gutteil im Adlon ab. Die Damen der Gesellschaft bestellen zum Tanztee Gigolos, auf den Suiten wird in beachtlichen Mengen Kokain geschnupft. Cabaret-, Varieté- und Filmstars wie Josephine Baker und Charlie Chaplin quartieren sich ein.

Dann führen die Fackelzüge der Nazis am Hotel vorbei. Louis wird zwar Mitglied in der NSDAP – aber eher, um nicht aufzufallen. Er und Hedda helfen vielen jüdischen Angestellten bei der Flucht aus Deutschland. Als im Zweiten Weltkrieg Bomben auf Berlin fallen, bleibt das Adlon verschont. Der Weinkeller wird in Bombennächten weidlich genutzt. Hotelhalle und Bar werden zum Lazarett. Wo man früher tanzte, liegen jetzt Verwundete.

Louis und Hedda Adlon erleben das Kriegsende in ihrem Landhaus in Neu Fahrland bei Potsdam, wähnen sich dort in Sicherheit. Aber am 25. April 1945 durchsuchen Rotarmisten die Villa nach Dokumenten. Dabei verliert ein Dienstmädchen die Nerven und schreit: "Nix Documenta! Da Generaldirektor!" Die Russen verstehen nur "General". Ein tödliches Missverständnis: Adlon wird umgehend verhaftet – und nie wieder lebend gesehen.

Schließlich marschieren die Russen in Berlin ein, feiern im Adlon-Weinkeller. Fatale Folge: Der Hauptflügel des Hotels brennt ab. Nach dem Krieg liegt das Hotel im sowjetischen Sektor Berlins. 1984 entscheidet das Politbüro der SED, die Reste des Adlon zu sprengen. Aber die Geschichte des Hauses ist damit keinesfalls zu Ende.

Nach dem Untergang der DDR wird das Hotel neu erbaut und am 23. August 1997 von Bundespräsident Roman Herzog wiedereröffnet. Im Adlon war es auch, wo Herzog seine "Ruck durchs Land"-Rede hielt. Inzwischen ist das Grandhotel wieder, was es zur Kaiserzeit einmal war: luxuriöses Heim auf Zeit für Staatsgäste.


Sendehinweis: ''Das Adlon – die Dokumentation''

Gero von Boehm über die Geschichte der Luxusherberge
SO, 6.1,. ZDF, 21.50 Uhr

Sendehinweis: ''Das Adlon. Eine Familiensaga''

Dreiteiler
Teil 1: SO, 6.1., ZDF, 20.15 Uhr
Teil 2: MO, 7.1., ZDF, 20.15 Uhr
Teil 3: MI, 9.1., ZDF, 20.15 Uhr

Autor: Gero von Boehm

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