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Danuta Harrich-Zandberg und 	Philippe Pozzo di Borgo

Danuta Harrich-Zandberg und Philippe Pozzo di Borgo bei den Dreharbeiten zu ''Beste Freunde – Was im Leben wirklich zählt'' im Hafen von Essaouira in Marokko / Fotos: © ZDF und Joschka Heinisch

Unterwegs mit Philippe Pozzo di Borgo

''Beste Freunde – Was im Leben wirklich zählt'' im ZDF

  • Artikel vom 04. Dezember 2012

Für ihre Reportage ''Beste Freunde – Was im Leben wirklich zählt'' begleitete die Filmemacherin Danuta Harrich-Zandberg den querschnittsgelähmten französischen Exmanager Philippe Bozzo di Borgo, dessen Schicksal Vorlage für den Film ''Ziemlich beste Freunde'' war. In HÖRZU schreibt die Münchnerin, wie sie diesen außergewöhnlichen Mann erlebte.

Philippe Pozzo di Borgo liebt die Frauen. Und er liebt ordentliche französische Begrüßungen: Küsschen rechts, Küsschen links. Dann soll ich mich ihm gegenüber setzen – schließlich kann er seinen Kopf kaum drehen. Ohne Umschweife möchte er wissen, was für einen Film ich denn machen wolle.

"Ich habe viel zu geben"

"Ich möchte Ihre Gedanken, Monsieur", sage ich. Seine Antwort werde ich niemals vergessen: "Ich habe nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren, aber ich habe viel zu geben." Seine Augen sind so lebendig, sie scheinen alles auszugleichen, was sein Körper an Bewegungen nicht vermag. Die Augen sprechen, mal laut, mal leise. Sie machen seine Lähmung unsichtbar.

Auch bei unserem zweiten Treffen: in seinem Haus, inmitten seiner Familie, im marokkanischen Essaouira. Seine zweite Frau: so fein, so zurückhaltend. Wie respektvoll und herzlich beide miteinander umgehen. Sie muss ihn füttern, er ist angewiesen auf jeden Handgriff – aber man spürt das nicht. Im Hafen fährt er uns mit dem Rollstuhl lachend davon. Und wir, die wir noch gesunde Beine haben, müssen ihm hinterherrennen.

Wir gehen zusammen auf den Souk, den Markt. Überall drehen sich Touristen um, tuscheln: "Das ist er doch, oder?" Aber sie trauen sich nicht, näher zu kommen. Er hört alles und lädt ein zum Gespräch: "Kommen Sie ruhig, ich beiße nicht!"

Eine Woche lang reisen wir mit ihm durch Belgien und Frankreich, sind dabei, wenn er in TV-Shows, bei Lesungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen auftritt. Wir wohnen in denselben Hotels, frühstücken gemeinsam. Ich denke an das Sprichwort "Besuch ist wie Fisch: Nach drei Tagen fängt er an, schlecht zu riechen". Ich denke, dass man nach einer so intensiven Zeit sicher auch die negativen Seiten des anderen sieht.

Aber di Borgos Gesicht wird nur noch freundlicher, weicher. Ich entdecke immer mehr Demut in ihm. Ich habe das Gefühl, er ist dankbar, den Menschen so viel geben zu dürfen. Verbitterung? Nein. Traurigkeit? Vielleicht. Nicht über das Schicksal, sondern darüber, dass er es damals herausgefordert hat. Dass er an einem Tag, an dem der Wind nicht gut stand, seinen Gleitschirm anlegte. Dass er sich das Genick brach und seine erste Frau, damals schon todkrank, dazu verdammte, ihn zu pflegen. Dass er nicht mehr für sie da sein konnte.

Oft wirkt er erschöpft. Aber er schickt uns nie weg: "Alles gut. Kein Problem", sagt er. Sogar auf Deutsch. Warum er sich das antut? "Ich fühle eine Verantwortung gegenüber anderen Menschen." Diese Augen werde ich nie vergessen. Auch nicht dieses große, wunderbare Lachen, das einem alle Scheu nimmt. Diesen Charme. Was für ein Geschenk, diesem Mann begegnet zu sein.


Sendehinweis: ''Beste Freunde – Was im Leben wirklich zählt''

Unterwegs mit Philippe Pozzo di Borgo
DI, 4.12., ZDF, 22.15 Uhr

Autor: Danuta Harrich-Zandberg

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