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Für die All-Zeit bereit: Astronaut Alexander Gerst ist in Topform.
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Für die All-Zeit bereit: Astronaut Alexander Gerst ist in Topform. / Foto: ZDF / © Jürgen Hansen

Astronaut Alexander Gerst über seine Mission

Arte-Doku in 3-D: ''Begegnung im All''

  • Artikel vom 15. Dezember 2012

Sechs Monate lang um die Erde kreisen, jeden Tag 16 Sonnenauf- und untergänge erleben. Im Mai 2014 wird ein Kindheitstraum von Alexander Gerst wahr: Dann startet der 36-jährige Schwabe ins All. In einer "Sojus"-Kapsel wird er zur internationalen Raumstation "ISS" fliegen – als dritter Deutscher nach Thomas Reiter und Hans Schlegel. Für die in 3-D gedrehte Doku ''Begegnung im All'' hat der Sender Arte den Astronauten bei seinen Vorbereitungen begleitet. Gezeigt wird auch die "ISS"-Mission seines holländischen Kollegen André Kuipers von Dezember 2011 bis Juli 2012.

Schnell wird klar: Für diesen Beruf braucht es Abenteurer – aber keine Draufgänger. Und Muskelprotze schon gar nicht: Ein vergrößertes Sportlerherz könnte in der Schwerelosigkeit schnell Rhythmusstörungen bekommen. Aber natürlich ist trotzdem ein gesteigertes Maß an Fitness nötig. Seit Mai 2009 gehört Alexander Gerst dem Astronautencorps der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa an. Seit September 2011 bereitet er sich auf seine "ISS"-Mission vor.

Der Geophysiker liebt Grenzerfahrungen: Für seine Doktorarbeit harrte er sechs Wochen lang am Kraterrand des Antarktisvulkans Erebus aus – bei minus 45 Grad. Da ist eine Reise ins All eigentlich der logische nächste Schritt: "Mich fasziniert an der Raumfahrt, dass sie uns an unsere ultimative Grenze führt"", sagt Gerst. "So müssen sich die Menschen früher gefühlt haben, als sie am Strand standen und sich fragten: Was ist wohl hinter dem Horizont?"

Sein Training soll ihn auf alle Eventualitäten vorbereiten. Die vorgeschriebenen Abläufe muss er im Schlaf beherrschen, obendrein jederzeit improvisieren können. Egal ob es um Experimente an Bord geht, um Außenarbeiten an der Station oder Notsituationen.

Seine extremsten Ausbildungserfahrungen? "Das Überlebenstraining auf Sardinien. Aber auch jede Übungsstunde im 150 Kilogramm schweren Raumanzug geht an die Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit. Damit kann ich mich überhaupt nur unter Wasser bewegen. Der Anzug steht unter Druck, dadurch fühlt sich jeder Handgriff so an, als ob man einen Tennisball zerquetscht."

Extrem gefordert hat ihn auch die Aufgabe, in nur drei Monaten Russisch zu lernen. Gerst ist gebürtiger Schwabe aus Künzelsau. Mit sechs Jahren wurde seine Begeisterung für den Weltraum entfacht: Sein Opa, ein Hobbyfunker, ließ ihn ein paar Worte ins Mikrofon sprechen, schickte sie als Radiowellen zum Mond und fing sie wieder auf. "Meine Worte und damit ein Teil von mir waren auf dem Mond gewesen – das war für mich einfach unglaublich."

Fortan war die Neugier sein Motor. Er wollte auf jeden Fall eine Naturwissenschaft studieren, entschied sich für Geophysik und arbeitete als Vulkanologe. Als die Esa vor vier Jahren sechs Astronauten suchte, bewarb er sich einfach: "Ich wollte es zumindest mal versuchen. Als es dann klappte, war ich sicher am meisten überrascht." Immerhin gab es noch 8341 andere Bewerber.

Für sein Training reist Gerst zwischen den Raumfahrtzentralen in Houston, Moskau und Köln hin und her. Wie geht er mit der Spannung um, sich über so einen langen Zeitraum auf das eine große Ereignis, den Weltraumflug, vorzubereiten? "Wenn jemand heute zu mir sagen würde: Du kannst sofort mit dem Training aufhören und morgen fliegen – ich würde es nicht machen. Ich möchte keinen Tag des Trainings verpassen", versichert er.

Gerst ist überzeugt, dass uns die Raumforschung noch viele Antworten liefern kann: "Wir machen etwa Experimente, die Schlaganfallpatienten helfen, wenn sie ihr Gehirn neu trainieren müssen. Wir untersuchen, wie Brennkammern in Kraftwerken effizienter werden können. Wir sind in der Lage, Flüssigkeiten zu mischen, die sich normalerweise nicht mischen lassen, und so neue Werkstoffe zu entwickeln. Ohne Raumflüge hätten wir das Ozonloch nie entdeckt und nie verstanden, wie unser Klima funktioniert."

Jungen Menschen, die Astronaut werden wollen, rät er: "Seid neugierig! Seid gut in der Schule und interessiert euch für Naturwissenschaften. Aber vor allem: Lasst euch von niemandem euren Traum ausreden."


Sendehinweis: ''Begegnung im All''

Doku im Rahmen des Arte-3-D-Abends (Effekt nur mit speziellem TV-Gerät)
Sa, 15.12., Arte, 21.45 Uhr


Was brauche ich, um TV-Bilder in 3-D zu sehen?

■ Um in den Genuss dreidimensionaler Angebote zu kommen, benötigen Sie einen 3-D-tauglichen HD-Fernseher. Die Auswahl ist inzwischen recht groß, etwa in der Serie Panasonic ST W50. Das Plasma-TV-Gerät besitzt zusätzliche Funktionen für einen optimalen 3-D-Betrieb.

Die dreidimensionalen Angebote des Senders Arte werden über den digitalen Arte HD-Kanal im sogenannten Side-by-Side-Verfahren ausgestrahlt. Das heißt: Im 3-D-Modus wird am Gerät "linkes und rechtes Bild nebeneinander" ausgewählt.

Autor: Thomas Röbke

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