TV-Serie: In aller Freundschaft

Hörzu TV-Serie „In aller Freundschaft“

Es begann in den 80er Jahren mit der „Schwarzwaldklinik“, seit 1998 operiert der MDR fürs Erste in der Leipziger Sachsenklinik. Ärzte, Schwestern, Pfleger Patienten, Angehörige – und immer wieder schießt das Schicksal quer. „In aller Freundschaft“, die erfolgreichste deutsche Arztserie, erreicht auch in der 17. Staffel märchenhafte Zuschauerzahlen von regelmäßig über sechs Millionen. Trotz oder wegen des bedächtigen Inszenierungsstils ist keine zweite deutsche Serie in Sicht, die ein so großes Stammpublikum besitzt.

Chefarzt, Oberarzt, Stationsarzt, Assistenzarzt – Halbgötter in Serie

Ein Kern von ca. 15 Rollen trägt die Handlung: Ärztinnen und Ärzte verschiedenen Alters und verschiedener Fachrichtung diagnostizieren, operieren, streiten und flirten – alles ohne Zynismus, ohne Tempo und ohne die Härte, die die besten US-Produktionen längst zum Standard erhoben. Wer amerikanische und sächsische Bilder aus dem Operationssaal vergleicht, sieht zwei Welten. „In aller Freundschaft“ ist das in eine Klinik implantierte „Großstadtrevier“. Starke Elemente aus der Familienserie nehmen der ärztlichen Praxis viel von ihrer Wucht. Obwohl immer wieder Leben auf Messers Schneide stehen, bleibt beschwingtes Gehen mit sanft wehenden Kittelschößen die sportlichste Fortbewegungsweise. Der väterliche Chef Professor Simoni (Dieter Bellmann, „Polizeiruf 110“), Chefarzt Heilmann (Thomas Rühmann, „Unser Charly“), Oberärztin Globisch (Andrea Kathrin Loewig, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“), Schwester Yvonne (Maren Gilzer, „Glücksrad“) sowie die jeweiligen Familien und Partner bilden ein Personengeflecht, das im Verlauf von über 600 Episoden naturgemäß auswucherte, aber überschaubar bleibt, weil die Welt der Handelnden überschaubar bleibt. Traditionelle Hierarchien in der Klinik, traditionelle Familienmuster, selbst die Trennungen gehorchen bekannten Mustern. „In aller Freundschaft“ will nicht auf Teufel komm raus originell und innovativ sein und hält das für einen Vorteil. Sechs Millionen Zuschauer sehen das genauso. Produziert wird in Leipzig. Viele Schauspieler, Kameraleute und Regisseure lernten ihr Handwerk in der DDR. Zwischen den Staffeln entstehen bisweilen Serienspecials von doppelter Lauflänge. Die Zahl der Auszeichnungen hält sich angesichts von 15 Jahren TV-Präsenz in engen Grenzen. Einen renommierten Fernsehpreis gab es noch nicht, stattdessen den Medienpreis der Bildzeitung und das Rauchfrei-Siegel wegen Verzichts auf Zigaretten.

Wo und wann läuft „In aller Freundschaft“?

Seit dem Start 1998 strahlt das Erste aus. 15 Staffeln liegen auf DVD vor. Wiederholungen laufen in diversen Dritten Programmen.