TV-Serie Großstadtrevier

Hörzu TV-Serie „Großstadtrevier“

Man kann die deutsche Krimiserie auch als Anleitung in fernöstlicher Gelassenheit lesen. Gemütlich und unaufgeregt verfolgen Hamburger Cops überschaubare Delikte, um sie ohne Aufregung der Aufklärung zuzuführen.

Immer mit der Ruhe: Ermittlungen ohne Stress

Wenn eine Serie in zwei Jahren ihren dreißigsten Geburtstag feiert, hat sie sich längst zur Kultserie erhoben und schwebt über den Niederungen des Serienalltags. In bisher 27 Staffeln mit circa 350 Episoden bedient „Großstadtrevier“ eine Krimifarbe, die sich internationalen Trends und Modernisierungsbestrebungen beharrlich verweigert. Das imaginäre 14. Revier in einem imaginären Teil von Hamburg St. Pauli wirkt seit der ersten Folge, als wäre die Zeit stehengeblieben. Alle agieren bedächtig, sogar die Bösewichte. Eine physische Seite besitzt „Großstadtrevier“ praktisch nicht. Selbst eine Prügelei sieht so schmerzfrei aus wie ein Backs. Initiiert vom legendären Jürgen Roland („Stahlnetz“) wirkt „Großstadtrevier“ mehr wie eine Familienserie. Das Menschlich-Allzumenschliche bricht sich immer wieder Bahn. Kleinbürger und Senioren laden ihre Sorgen im Revier ab und genießen freundliche Aufmerksamkeit. Irgendwer hat immer Zeit, der menschliche Faktor ist rund um die Uhr verfügbar. In den ersten fünf Staffeln bildeten Mareike Carrière und der knorrige Arthur Brauss die zentrale Streifenwagenbesatzung. Im Jahr 1991 übernahm mit Folge 37 Jan Fedder („Neues aus Büttenwarder“, „Arnes Nachlass“, „Der Hafenpastor“), der seitdem mit Unterbrechungen als Dirk Matthies die Rolle seines Lebens spielt und mit schnoddrig-nuschelnder Hanse-Schnauze den Ton angibt. Die Besetzung wechselte naturgemäß immer mal wieder. Sitzfleisch bewiesen besonders Peter Neusser und Edgar Hoppe. Am schwierigen Vorabend der ARD ist das „Großstadtrevier“ der ruhende Pol und ein verlässlicher Quotenbringer, wenn sich auch kaum junge Zuschauer vor dem Bildschirm einfinden. Im Lauf der Jahre lieferte fast jeder deutsche Krimiautor ein Drehbuch für die Serie ab. Längst wurden Jan Fedder und Maria Ketikidou von der realen Polizei zu „Ehrenkommissaren“ befördert. Innovationen sind vom „Großstadtrevier“ nicht zu erwarten, das Serien-Mammut genießt Bestandsschutz. Wo es so unverfroren menschelt, schweigt die Kritik.

Wo und wann läuft „Großstadtrevier“?

Montags im Ersten (neue Folgen und Wiederholungen). In diversen Dritten Programme laufen Wiederholungen.