Sendungsinfo
Mi / 01:30 / NDR

Cinema Jenin: Die Geschichte eines Traums

Auslandsdoku / D | IL | PAK 2011

Beschreibung

Alles hatte mit einer Tragödie begonnen, die sich im November 2005 im Westjordanland abgespielt hat. Ein palästinensischer Junge spielt mit Freunden auf der Straße von Jenin "Krieg". Ein israelischer Soldat hielt die Spielzeugwaffe für echt und schoss auf das Kind. Im Krankenhaus von Haifa wurde dessen Hirntod erklärt. Der Krankenpfleger Raymund, ein arabischer Christ, bat den muslimischen Vater Ismail Khatib um Organspenden. Ismail gab die Organe seines Sohnes schließlich frei und rettet damit das Leben von fünf Kindern, Kinder palästinensischer und israelischer Herkunft. Drei Jahre später wollte er diese Kinder kennenlernen. Dabei begleitete ihn der deutsche Filmemacher Marcus Vetter. So ist 2008 der Dokumentarfilm "Das Herz von Jenin" entstanden, ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis 2010. Nachdem die Dreharbeiten längst abgeschlossen waren, gingen Marcus Vetter und Ismail Khatib eines Abends an einem heruntergekommenen Kino in Jenin vorbei. Das in den 1960er-Jahren erbaute Kino galt als eines der bedeutendsten Lichtspielhäuser in Palästina, bis es mit dem Ausbruch der ersten Intifada im Jahr 1987 geschlossen wurde. Gemeinsam entsteht bei den beiden die Idee, das Kino wieder zu eröffnen und den Kindern in Jenin eine andere Vision zu geben, als sich gegen israelische Panzer zu stellen. Ismail Khatib, Marcus Vetter und Fakhri Hamad, der Übersetzer von Ismail, sind fortan die Initiatoren eines gefährlichen Unternehmens. Würde es möglich sein, mitten in der Hochburg der al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden ein Kinotheater zum Leben zu erwecken? Ein Kino, das als negatives Symbol westlicher Kultur gelten könnte? Dieser Film, den Marcus Vetter zusammen mit dem israelisch-palästinischen Kameramann Alex Bakri über drei Jahre lang drehte, schildert in der Art eines persönlichen Tagebuchs das schwierige, aber schließlich erfolgreiche Ringen um das ungewöhnliche Projekt. Immer wieder fehlte Geld. Immer mehr freiwillige Helfer kamen nach Jenin. Im Dschungel der Bürokratie des selbst verwalteten Palästinensergebietes mussten die drei Protagonisten Misstrauen und Vorurteile überwinden, Rückschläge wegstecken und Geduld beweisen, was immer wieder seine komischen Seiten hatte. Das Cinema Jenin wurde im August 2010 unter großer weltweiter Beachtung nach 20 Jahren wiedereröffnet.

Crew

  • Regie
    Marcus Vetter
  • Drehbuch
    Aleksei Bakri
  •  
    Marcus Vetter
  • Kamera
    Alex Bakri
  •  
    Michele Gentile

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